Manchen Menschen rinnt der nackte Angstschweiß herunter, wenn sie sich plötzlich in einer Fragestunde - sei es nun im Klassenzimmer, bei einem Meeting oder auf einer Party - wiederfinden. Andere hingegen scheinen es zu genießen, nach komplizierteren Dingen befragt zu werden und behalten immer einen kühlen Kopf. Nun mag es zwar einige geborene Rhetoriker geben, aber in den meisten Fällen ist überzeugende Kommunikation eine Frage der Übung. Worauf es zuerst ankommt, sind im Wesentlichen drei Dinge: Das Bewusstsein um den Zweck der Frage, die Präzision der eigenen Antwort und die Fähigkeit, sich "Gehör zu verschaffen".
- 13.09.2010 Simon Kolzuniak
Was Sie benötigen
Dafür brauchen Sie beide Hände
- Eigene Inhalte, die Sie kommunizieren möchten
- Sparringspartner und/oder Programme für Weiterbildungen in Ihrer Region
- Authentizität und Respekt (vor dem Gesprächspartner/Publikum und - ganz wichtig - vor sich selbst)
- Gelassenheit
- Experimentierfreude
Interessante Fragen passend beantworten
- Die meisten Fragen werden aus Interesse gestellt. Dies kann Interesse an Inhalten sein (z.B. eine Wegbeschreibung), Interesse an Personen (z.B. bei einem Vorstellungsgespräch) oder beides zusammen (z.B. die Bitte um Ihre persönliche Einschätzung eines Sachverhalts seitens Ihres Vorgesetzten).
- Mit dem Vorwissen, das Fragen auf inhaltlichem und/oder persönlichem Interesse gründen, gewinnen Sie Sicherheit in der Antwort, denn Sie können abschätzen, was Ihr Gegenüber erwartet. Zum Beispiel macht es für ein Gespräch wenig Sinn, auf die Frage nach dem Weg zum Friedhof eine existenzphilosophische Debatte zu beginnen oder in einem Vorstellungsgespräch auf die Frage nach dem bisherigen Werdegang seinen tabellarischen Lebenslauf aufzusagen.
Wenn Argumente zählen
- Wenn Sie eine Frage beantworten möchte, die auf Ihre persönliche Einschätzung abzielt, kommt es auf eine überzeugende Argumentation an. Ihr Gegenüber möchte Sie vielleicht näher kennenlernen, Sie von seiner Meinung einnehmen oder die Logik Ihrer Einschätzungen nachvollziehen - in jedem Fall geht es nicht alleine um Wissensaustausch, sondern vor allem um Sie selbst. Solche Situationen gibt es am Stammtisch in gemütlicher Runde ebenso wie in Assessment-Centers, Vorstellungsgesprächen oder strategischen Verhandlungen.
- Eine Einladung zu komplexeren Antworten sind sogenannte offene oder assoziative Fragen, die Sie nicht mit "Ja" oder "Nein" beantworten können. Wenn Sie solche Fragen beantworten, sollten Sie zugleich deutlich und höflich vorgehen, denn Respekt verdienen sowohl Sie selbst als auch der Fragende. Es ist gut, wenn Sie die Inhalte, die Ihnen wichtig sind, betonen und gleichzeitig Allgemeinplätze so sparsam wie möglich einsetzen.
Ein Griff in die Trickkiste der Rhetorik
- Andere Stilmittel sind hingegen wirkungsvoll - wenn Sie sie beherrschen. Dies gilt z.B. beim Einsatz von Humor, Gegenfragen als Teil einer Antwort oder "Catchwords", welche die Aufmerksamkeit Ihres Gesprächspartners aktivieren sollen.
- Bleiben Sie aber gelassen, wenn Sie mit diesen Stilmitteln bislang noch wenig Erfahrungen haben: Den Einsatz können Sie - beispielsweise im rhetorischen Training mit Freunden, Bekannten und Verwandten - hervorragend im Voraus üben.
- Vermeiden Sie aber sogenannte "Killerphrasen" als Antwort und lassen Sie sich nicht auf "Killerphrasen" in Fragen ein.
- Vermeiden Sie es nach Möglichkeit auch "man" oder "wir" zu sagen, wo Sie von sich selbst sprechen. Der vermeintliche Egoismus, "ich" zu sagen, stärkt Ihr Selbstbewusstsein, ist aber vor allem respektvoll gegenüber Ihrem Gesprächspartner - denn Sie verstecken sich nicht hinter autoritären Floskeln und signalisieren Offenheit, die auch Ihrem Gegenüber klare Positionen erlaubt.
Die Kunst der Gelassenheit
- Wenn Ihnen eine schlagfertige Antwort fehlt oder Sie ein Argument noch überdenken müssen, können Sie sich mit Überbrückungen immer Zeit zum Nachdenken erobern. Schließlich sind Sie kein Automat - und ein Vorgehen in Ihrem Tempo wirkt überzeugender als manche Schnellschüsse aus der Angst, Stille zu produzieren.
- An dieser Stelle mag dann auch die eine oder andere Floskel erlaubt sein. Ein gelassenes und nachdenkliches Antworten ist gerade dort von Vorteil, wo Sie mit Fang- oder Suggestivfragen getestet werden sollen.
- Übrigens: Wenn Sie leicht nervös werden oder sich schlecht konzentrieren können, kann es sinnvoll sein, sich in Entspannungstechniken wie z.B. Yoga oder Qui Gong zu üben. Gerade in Stresssituationen lässt sich von diesen Trainigserfahrungen sehr profitieren.
Übung macht den Meister
- Ein Großteil der Rhetorik - gerade auch im Beantworten von Fragen - wirkt wie ausgefeiltes Kunsthandwerk. Das Gute daran ist - wer kein Naturtalent ist, kann es lernen. Neben autodidaktischen Übungen und dem Training mit Freunden und Bekannten (das übrigens auch Spaß machen kann - denken Sie einmal an Gesellschaftsspiele) bieten sich insbesondere Fortbildungen unter professioneller Anleitung an, die nicht teuer sein müssen.
- "Training on the job", das heißt die fortlaufende Anwendung von Wissen und Ideen außerhalb geschützter Übungsräume, ist besonders empfehlenswert. Sie müssen Ihre neuen Antworttechniken ja nicht sofort gegenüber Ihrem Chef anwenden, sondern können zunächst in einfacheren Situationen im Kollegenkreis oder Verein mit Mut zum Experiment üben.
- Übrigens: Fragen zu beantworten ist gesund, denn es fördert das Kommunikationsvermögen und hilft ganz nebenbei auch noch, stimmig mit sich zu denken.