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Fliegende Spinnen

Spinnen spinnen, aber sie fliegen nicht. Oder doch? Richtig ist, dass es Arten gibt, die sich an einem Flugfaden durch die Luft tragen lassen.

Seidene Flughilfen für fliegende Spinnen.
Seidene Flughilfen für fliegende Spinnen.

Spinnen sind mit ihren acht Beinen und den gewebten Netzen schon faszinierend genug. Nun soll es auch noch fliegende Spinnen geben. Wozu soll das gut sein? Ganz einfach, um größere Strecken zu überwinden. Die Strategie der kleinen Flieger ist für sie von Nutzen.

Maratus volants - fliegender Achtbeiner Australiens

Maratus volants ist tatsächlich als fliegende Spinne beschrieben worden - bereits 1874. Ein damaliger Forscher beobachtete eine Art, die zwei seitliche Platten anhebt und absenkt und somit ihren Sprung unterstützen kann. Die Gattung Marabus gehört zu den Springspinnen, die sich durch Schnelligkeit auszeichnen. Man glaubte dem Wissenschaftler und verpasste der Art den Namen volants, fliegend. 

Die Beobachtung stimmt so nicht, hat den Mythos von den fliegenden Spinnen aber befördert. Richtig ist, dass die Männchen der Gattung Maratus - auch Pfauenspinnen genannt - eine auffällig gefärbte Platte am Hinterleib tragen. Sie ist seitlich mit zwei beweglichen flügelartigen Fächern versehen. Beide scheinbaren Flügel dienen jedoch nicht dem Fliegen, sondern einem besonderen Balzverhalten. Sie werden beim Werben um ein Weibchen wie beim Tanz angehoben und bewegt.

Der Kontinent Australien ist bekannt für zahlreiche ungewöhnliche Lebewesen. Denken Sie an die Beuteltiere, die es nur dort gibt. Warum sollten die Australier nicht auch fliegende Spinnen haben? Der erste Eindruck, mit Maratus volants so ein Exemplar vor sich zu haben, täuschte hier allerdings. 

Auch ohne fliegen zu können, ist die „Fliegende Spinne“ interessant. Äußerst lebhaft und hartnäckig verfolgt sie ihre Opfer so lange, bis sie Erfolg hat. Mit einem giftigen Biss überwältigt sie Insekten, die größer als sie selbst sind. 

Obwohl die winzigen Spinnen - bis maximal fünf Millimeter groß - als Webspinnen kein Beutenetz zum Fangen bauen, weben sie sich ein Wohngespinst. Darin überwintern sie, häuten sich und legen Eier.

Vorteile für flugfähige Spinnen 

Also gibt es doch keine fliegenden Spinnen? Doch, es gibt sie. Nur dass Spinnen zum Fliegen nicht Flügel, sondern ihre Spinnfäden nutzen. Manche Arten sind in der Lage mit viel Kraft einen langen Seidenfaden aus ihrer Spinndrüse zu schießen. Dieser Flugfaden trägt sie anschließend mit dem Wind fort.

Sie fragen sich, warum Spinnen dies tun? Hier geht es gerade bei Jungtieren ums Überleben. Dort, wo die Populationsdichte hoch ist, fehlt Platz für weitere Exemplare. Zumal sich Spinnen als Kannibalen gegenseitig auffressen. Da ist es hilfreich, sich als Jungspinne nicht in der Nähe von ausgewachsenen Artgenossen niederzulassen.

Bei den Baldachinspinnen ist diese Reisemethode per Flugfaden auch bei ausgewachsenen Tieren verbreitet. Die reiselustigen Spinnen recken die Spinndrüse nach oben, entlassen einen Seidenfaden und lassen sich forttragen. Diese Art - Ballooning oder Luftschiffen genannt - kommt fliegenden Spinnen nahe, das Überwinden großer Strecken ist bei gutem Wind oft möglich. Besonders im Spätsommer ist diese Art der Fortbewegung oft zu beobachten.

Sollte sich bei Ihnen im Zimmer eine Spinne am Flugfaden verirren, erschrecken Sie nicht. Es sind keine besonderen Spinnen, sondern solche, wie alle anderen. Als Spinnenphobiker sollten Sie wissen, dass es in England sogar finanzielles Glück bringen soll, wenn sich eine fliegende Spinne auf Ihnen niederlässt. Sie heißen im Volksmund "money spider".

Lassen Sie sich also nicht verwirren, wenn von fliegenden Spinnen die Rede ist. Es gibt sie, die Art des Fliegens ist aber eben anders. Spinnen brauchen zum Fliegen nämlich keine Flügel.

 

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