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Fabeln der Aufklärung - so deuten Sie sie richtig

Fabeln gibt es bereits seit dem Altertum. Diese Gattung ist aber auch typisch für die Aufklärung. Vor allem die Tierfabel von Dichtern wie Lessing oder Gellert ist bis heute sehr populär.

Der Fuchs ist ein typisches Tier in der Fabel.
Der Fuchs ist ein typisches Tier in der Fabel.

Was sind Fabeln?

  • Das Wort Fabel leitet sich vom lateinischen Ausdruck "fabula" ab, der Geschichte, Sage oder Erzählung bedeutet. Fabeln sind kurze Erzählungen mit lehrhaftem Inhalt, in denen meistens Tiere mit typisch menschlichen Eigenschaften auftreten.
  • Die Geschichte der Fabel reicht bis in Altertum zurück. In Europa wurde sie besonders durch den Dichter Äsop populär, der um 600 v. Chr. im antiken Griechenland lebte. Fabeln können sowohl in Prosa als auch in Versform verfasst sein.
  • Fabeln zeichnen sich durch einen sowohl lehrreichen als auch unterhaltsamen Charakter aus. Vordergründig sind es einfache, geradlinige Geschichten mit meist simpler Sprache, die eine Moral oder eine Lebensweisheit vermitteln und sich typischen gesellschaftlichen Problemen annehmen. 

Fabeln in der Aufklärung

  • Die literaturhistorische Epoche der Aufklärung wird von 1720 bis 1790 angesetzt und löste das Zeitalter des Barock ab. Die Aufklärung stand unter dem deutlichen Einfluss eines zunehmend vernunftbetonten und humanistischen Weltbild und der Erforschung der Naturwissenschaften. Gesellschaftlich bedeutend war die Entstehung des Bürgertums anstelle des Feudalismus. Zentrale Themen der Aufklärung waren Tugenden, moralisches Handeln und eine Aufweichung der festgelegten Stände.
  • In der verbreiteten Tierfabel tauchen immer wieder die gleichen Tiere auf, die auch stets die gleichen Charaktereigenschaften repräsentieren. Der Fuchs gilt beispielsweise als listig und schlau, die Ziege ist dickköpfig, das Lamm steht für Unschuld und Reinheit, der Bär ist leichtgläubig und gutmütig, der Hund treu und ergeben, der Esel bequem und stur, die Gans ist besonders geschwätzig. Die meisten Eigenschaften werden noch heute in Zusammenhang mit den jeweiligen Tieren genannt.
  • Die Eigenschaften werden gewöhnlich schon beim ersten Auftreten der Tiere sehr deutlich und sind absichtlich übertrieben dargestellt. Die Fabel hat oft satirischen Charakter und stellt typische menschliche Schwächen heraus. bei manchen Dichtern steht die Moral sehr deutlich im Vordergrund, bei anderen dominiert eher der scherzhaft-unterhaltsame Charakter.
  • In der Fabel wird meist ein Konflikt zwischen den einzelnen Figuren dargestellt, der sich auf das wirkliche Leben übertragen lässt. Sehr häufig werden Sie in der Fabel der Aufklärung eine Kritik am Herrschaftssystem vorfinden. Die Vernunft wird als besonders positiv hervorgehoben, die Menschen sollen sich emanzipieren und sich dabei ihres Verstandes bedienen, statt sich in das festgelegte Ständesystem zu fügen.
  • Typisch für eine Fabel der Aufklärung sind beispielsweise Tiere wie der Löwe oder der Adler, die für Machthaber und den Adel stehen und deren eitles oder egoistisches Verhalten negativ dargestellt wird. In der Fabel konnten Dichter ihre Kritik indirekt zum Ausdruck bringen, ohne Namen nennen zu müssen.
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