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Empfindsamkeit - Merkmale der Epoche lernen und interpretieren

Die Empfindsamkeit ist eine Epoche der Aufklärung, die allerdings ganz eigene Merkmale in den Vordergrund rückte. Grundsätzlich geht es um das Gefühl.

Das Gefühl steht im Mittelpunkt.
Das Gefühl steht im Mittelpunkt.

Die Aufklärung war in ihrem Kern bestrebt, den kritischen Verstand des Menschen weiterzuentwickeln. Innerhalb dieser Epoche forderte allerdings die Empfindsamkeit, dass nicht nur der Verstand, sondern auch das Gefühl des Menschen äußerst wichtig ist. Zentrale Merkmale der Empfindsamkeit sind dementsprechend Gefühle und Moral.

Wie erkennen Sie die Empfindsamkeit?

  • Die Epoche der Empfindsamkeit wird auf die Zeit zwischen 1740 und 1780 datiert. Innerhalb der Aufklärungsliteratur, die für die Zeit von 1720 bis 1800 angenommen wird, nimmt sie also einen relativ großen Raum ein.
  • Eines der wichtigsten inhaltlichen Merkmale der Empfindsamkeit ist die Gegenüberstellung von Gefühl und Verstand. Wenn Sie also Literatur aus der Zeit interpretieren, achten Sie darauf, welche Figuren ihre Handlungen und Aussagen aus dem Gefühl herleiten und welche aus dem Verstand.
  • Wichtig ist auch die Natur des Gefühls. Gute Gefühle entsprechen in der Empfindsamkeit der Nächstenliebe, nicht der Leidenschaft. Geschwisterliebe, Freundschaft, Naturliebe und Trauer sind typische Gefühle der Empfindsamkeit, während Raserei, Zorn, Begehren und Temperament nicht zu den Idealen gehören. 
  • Das Gefühl wird in der Empfindsamkeit einerseits als Träger einer ethischen, auf Nächstenliebe basierenden Lebensweise verstanden, andererseits bietet es dem Individuum, das in der empfindsamen Literatur meistens aus dem Bürgertum stammt, die Freiheit, sich auszudrücken. Das ist in der Zeit vor der Französischen Revolution ein wichtiges Thema.
  • Weitere Kernthemen sind dementsprechend Mitleid, sittliches Verhalten, das Bewusstsein der eigenen Innerlichkeit, das Privatleben und die Schwärmerei für Mensch und Natur.
  • Typische literarische Genres der Empfindsamkeit sind Gedichte, Briefromane, Epen und bürgerliche Rührstücke.
  • Die Empfindsamkeit hat außerdem ihre ganz eigenen formalen Merkmale. In der Personenrede und in der Lyrik sind Ausrufe wie "Oh!" und "Ach!" sehr typisch.
  • Ein weiteres typisches Stilmittel ist die Ellipse oder Auslassung. Ein Satz wird angefangen, dann aber nicht beendet, weil das Gefühl die sprechende Figur hinwegträgt.
  • Wichtige Vertreter der Empfindsamkeit sind Friedrich Gottlieb Klopstock, Christian Fürchtegott Gellert, Sophie von La Roche, Matthias Claudius und Johann Heinrich Voss.
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