Emotionale Songs richtig transportieren - so berühren Sie das Publikum

Das Gefühl in emotionalen Songs zu transportieren, fordert vom Sänger vor allem Authenzität. Das Gefühl in emotionalen Songs zu transportieren, fordert vom Sänger vor allem Authenzität.
Dass die Stimme Emotionen transportiert, ist wohl jedem bekannt. Schon für die Neandertaler war kaum etwas so wichtig zur emotionalen Verständigung wie die Stimmintensität und Klangfarbe. Und auch heute ist keine Verständigungsform so emotional und nachhaltig wie die Musik. Die verschiedensten Töne lösen verschiedenste Bilder in unserem Kopf aus - Nervenstränge werden durch die Klangfarbe gereizt und erzeugen Emotion. Doch nur dann, wenn ein Sänger weiß, was er tut, berührt er auch das Publikum. Was jeder beachten sollte, der durch emotionale Songs andere berühren will, erfahren Sie hier.
Sima Moussavian
21.03.2011 Sima Moussavian
Themen der Anleitung Emotionen Freizeit Gesang Musik Sänger Songs

Das Gefühl in emotionalen Songs transportieren

Einer der wichtigsten Punkte, um ein Publikum zu berühren, ist die Songauswahl. Natürlich ist jedem bewusst, dass Molltöne tiefgehende Emotionen wecken als Durtöne, aber dieses Wissen ist noch lange nicht genug - die Songauswahl sollte vor allem auf Sie als Menschen passen.

  • Jemand, der einen Song selbst nicht fühlt, wird auch dem Publikum kein Gefühl vermitteln. Sie sollten auf jeden Fall wissen, was Sie singen und wenn nötig die Lyrics übersetzen, um einzuschätzen, inwieweit Sie sich mit dem Text identifizieren. Um ein Publikum zu berühren, zählt nämlich eines mehr als alles andere und das ist Authenzität.
  • Seien Sie echt und tun Sie nicht nur so, als hätten Sie das Gesungene schon einmal erlebt. Das Lied sollte Ihnen etwas bedeuten, zudem sollten Sie auf keinen Fall übertreiben - alles was unecht wirkt, läßt das Publikum zweifeln und nimmt ihm so die Möglichkeit mitzufühlen.
  • Beachten Sie für die Songwahl nicht nur Ihre eigene Verbundenheit mit dem Lied, sondern auch die der Zielgruppe. Haben die betroffenen Zuschauer schon einmal ähnliche Erfahrungen gemacht oder können Sie das Gesungene auf ihr Leben übertragen, fällt es ihnen leichter, mitzufühlen.
  • So wird eine Art der Katharsis ausgelöst - die Identifikation mit Ihnen ist gegeben und die Zuschauer werden auch die kleinsten emotionalen Untertöne Ihrer Stimme wahrnehmen. Der Katharsis wurde sich schon in antiken Theaterstücken bedient, um dem Publikum durch die Reinigung von eigenen Affekten ein Gefühl der Erlösung und Befreiung zu ermöglichen.
  • Auch die persönliche Beziehung zwischen Sänger und Publikum spielt eine Rolle. Die Zuschauer sollten das Gefühl haben, dass Sie ihnen vertrauen. Sie müssen die Anwesenden fesseln - und zwar jeden einzeln. Nur wenige Menschen auf der Welt haben die Gabe, den Zuschauerindividuen durch einen Blick das Gefühl zu geben, die Welt bliebe stehen - darum geht es aber gerade.
  • Nehmen Sie direkten Blickkontakt zu Einzelpersonen auf. Sie müssen sich bemühen, während des Songs eine so starke emotionale Bindung zu den konkreten Individuen aufzubauen, dass sie das Gefühl haben, Sie zu kennen und nur mit Ihnen im Raum sind. Auch hier sollte gesagt sein, dass eine solche Bindung vor allem durch Ihre Wahrhaftigkeit entsteht und nie durch eine übertriebene Performance erreicht wird.
  • Damit das Publikum sich Ihnen vertraut fühlt und das Gefühl hat, dass Sie bereit sind, sich vollständig zu öffnen, sollten Sie emotionale Songs, die usprünglich nicht von Ihnen sind, niemals genauso vortragen wie sie im Orginal klingen.
  • Bemühen Sie sich nicht, alle Betonungen oder sogar Melodien gleich zu setzen - so werden Sie zu einem Abklatsch des Orginals und Ihre Persönlichkeit kann sich nicht im Vorgetragenen spiegeln, wodurch die persönliche Beziehung zum Publikum blockiert wird. Versuchen Sie, jedes Lied zu Ihrem zu machen - egal ob es im Orginal von jemand anderem stammt.
  • Letztlich setzt ein solcher Vorgang einen gewissen Grad an Musikalität vorraus, der bei einem professionellen Sänger aber gegeben sein sollte. Eine spontane Interpretation des Liedes ist am Ende meist die glaubhafteste und berührendste. So spielen bei der eigenen Interpretation von emotionalen Songs auch Stimmintensität und Dynamik eine Rolle.
  • Alle Parts vollkommen identisch vorzutragen ist ein absolutes No-Go. Lassen Sie Ihrer Persönlicheit freien Lauf und bestimmen Sie über leisere und lautere Parts. Sicherlich können Sie auch Töne ändern - gerade hier sollten Sie aber auf die Grundmelodik und deren Erhaltung achten. Generell fühlen Menschen bei tieferen Parts stärkere emotionale Effekte als bei höheren, trotzdem sollte Ihre Interpretation ausgewogen auf den Zuhörer wirken.
  • Wenn Sie bestimmte emotionale Songs singen müssen, weil es beispielsweise ein Casting von Ihnen verlangt, Sie sich aber nicht mit dem Text identifizieren können, kann es helfen, sich mit dem Orginalinterpreten zu beschäftigen. Wenn Sie wissen, aus welcher Lebenslage heraus er den Song geschrieben und performt hat, werden Sie die Emotionalität des Songs am Ende besser nachvollziehen und im besten Falle sogar übernehmen können.
  • Wenn Sie durch Ihre Performance begeistern und berühren wollen, müssen Sie Ihren Song in einer angemessenen Weise kennengelernt haben - etwas, das Sie nicht kennen, können Sie nicht weitergeben.
  • Meditationen, Yoga sowie Schauspiel- und Ausdrucksübungen können Ihnen helfen, sich auf Kommando in bestimmte Situationen zu fühlen - ob Sie diese nun erlebt haben oder nicht. Das kann dann von Vorteil sein, wenn Sie keine direkte Bindung zu Ihrem Song haben, aber eine aufbauen möchten, um Ihre Authenzität zu bestärken.
  • Meist raten Gesangscoaches, bei Performances immer an Situationen zu denken, die nicht gut gelaufen sind, weil solche die stärksten emotionalen Effekte in der Stimme bewirken.

Der wichtigste Rat ist es abschließend, abzuschalten. Sie dürfen sich während der Performance keinesfalls Sorgen darüber machen, ob Sie die Töne treffen. Lieber verhauen Sie die ein oder andere Note als die Emotionaltät durch Rationalität zu verschleiern...

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