- 13.09.2011 Manuela Bauer
- Ein Kochthermometer
Eierlikör und die Tücken der Zubereitung
- Es gibt in jedem Kochforum mindestens fünf verschiedene Eierlikör-Rezepte. Auch gibt es alljährlich von diversen Kochzeitschriften regelmäßig um die Osterzeit eine Fülle von Eierlikör-Rezepten.
- Oftmals versuchen Sie ein Rezept zu kochen, sind aber mit dem Ergebnis nicht zufrieden oder müssen das Produkt gar entsorgen, weil es ungenießbar ist.
- Kaum eines der Rezepte kann als "nicht machbar" bezeichnet werden. Was den Rezepten fehlt, ist eine gute Anleitung.
- Die physikalischen und chemischen Reaktionen werden bei der Rezeptbeschreibung leider selten berücksichtigt, weil man immer glaubt, der Leser mag nur Rezepte nachkochen, die wenig Text haben.
- Bei manchen Zubereitungen ist aber ein gewisses physikalisches und chemisches Grundverständnis zwingend erforderlich. Liköre gehören dazu. Speziell Eierliköre unterliegen gewissen physikalischen Gesetzen und diese müssen deshalb beachtet werden.
So setzen Sie Rezepte erfolgreich um
- Hühnereier werden im Eierlikör immer verwendet. Damit das Eigelb dafür sorgt, dass der Likör so sämig wird, wie man das von einem Eierlikör gewöhnt ist, darf das Eigelb nicht über eine gewisse Temperatur hinaus erhitzt werden.
- Wenn man das Eigelb höher erhitzt, dann gerinnt es. Ein geronnenes Eigelb kann aber die restlichen Komponenten eines Likörs nicht mehr binden.
- Als Folge gerinnt der gesamte Likör und es entsteht keine Emulsion (homogene Masse).
- Grundsätzlich dürfen Sie die Masse, die das Eigelb enthält, auf keinen Fall höher erhitzen als punktgenau 65°C.
- Bleiben Sie beim Kochen eines Eierlikörs also immer unter der Hitzemarke von 65°C. Sobald Sie darüber kommen, kann auch eine Bindung des Likörs nicht mehr erfolgen.
- Ohne Thermometer können Sie den Likör auch kochen. Dafür müssen Sie diesem aber sehr viel Aufmerksamkeit schenken.
- Eierlikör ohne Thermometer zu kochen bedeutet, ununterbrochen am Kochtopf zu bleiben und zu kontrollieren, ob die Masse nicht zu heiß wird. Dazu müssen Sie regelmäßig die Fingerprobe machen. Wenn die Masse zu heiß wird, dass Sie den Finger nicht freiwillig länger als zwei Sekunden in der Masse halten wollen, dann ist diese zu heiß.
Fazit: Wenn Sie einen guten Eierlikör kochen wollen, dann schaffen Sie sich ein Thermometer an. Nur damit kann man Ihnen versichern, einen wirklich guten Likör zu kochen. Der Rest ist reine Glückssache.