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Durchschnittsstundenlohn - eine Kalkulation für den Freiberufler

Kalkuliert ein Freiberufler seine Arbeitsleistung falsch, steht er oftmals am Monats-, spätestens aber am Jahresende da und kann seine Rechnungen nicht begleichen.

Durchschnittsstundenlohn als Freiberufler richtig kalkulieren.
Durchschnittsstundenlohn als Freiberufler richtig kalkulieren.

Der Stundenlohn bei Angestellten

Ein Angesteller bekommt sein festes Gehalt, für mindestens 12 Monate im Jahr. Alle Krankentage sowie diverse Urlaubstage sind damit abgedeckt. Im IT-Bereich etwa liegt der durchschnittliche Bruttoverdienst bei etwa 4.500 Euro im Monat, also etwa 2.500 Euro netto. Bei einer 38-Stunden Woche ergibt das einen Stundenlohn von rund 16 Euro. Der freiberufliche IT-ler verlangt aber mindestens 60 Euro pro Stunde, wenn nicht noch mehr. Warum?

Rechen-Beispiel Durchschnittsstundenlohn bei Freiberuflern

Der freie IT-ler möchte nun gerne auch auf 16 Euro pro Stunde kommen, über die er letztendlich frei verfügen kann. Möchte der freie Mitarbeiter auf das gleiche Gehalt kommen wie der Angestellte, ist eine ganz andere Rechenweise notwendig:

  • Es müssen monatlich die 4.500 Euro Bruttolohn des angestellten Kollegen erwirtschaftet werden, hinzu kommen aber noch der Anteil, den der Arbeitgeber eines Angestellten zur Sozialversicherung leistet (20%) und ein 13. Monatsgehalt, das der Angestellte in Form von Urlaubs- und Weihnachtsgeld bekommt.  => 13 * 4.500 + 20% = 70.200 Euro muss der Freiberufler im Jahr verdienen, um das gleiche Geld wie der Angestellte in der Tasche zu haben.
  • Das Jahr hat 365 Tage, 104 Tage Wochenende, 8 Feiertage und zusätzlich plant auch der Freiberufler Urlaubstage (30) ein. Zum Arbeiten bleiben also genau 223 Tage. Wird der Freiberufler krank, verringert sich diese Anzahl nochmals, 10 Tage sollten mindestens als Krankheitstage eingeplant werden. Produktiv sind also etwa 213 Tage im Jahr.
  • An diesen 213 Tagen muss der Freiberufler seine 70.200 Euro verdienen. Der durchschnittliche Tagesverdienst beträgt 70.200 / 213 = 330 Euro.
  • Diese 330 Euro könnte man nun durch die Anzahl der Arbeitsstunden teilen und hätte einen Durchschnittsstundenlohn. Dieser würde 330 / 8 = 41,25 Euro betragen.

Tatsächlicher Durchschnittsstundenlohn eines Freiberuflers

Nicht jede Arbeitsstunde, die ein Freiberufler aufwendet, kann auch tatsächlich in Rechnung gestellt werden. Kundenakquise, Leerlauf, Büroarbeiten wie Telefonate, Rechnungsstellung und sonstige anfallende Tätigkeiten müssen zwar erledigt werden, sind aber nicht zu fakturieren.

  • Geht man nun davon aus, dass der Freiberufler einen Auslastungsgrad von 75% hat (in vielen Fällen sehr utopisch!), erhöht sich der Durchschnittsstundenlohn schon auf 55 Euro. Ist man realistisch und geht von einer 60%igen Auslastung aus, liegt der Durchschnittsstundenlohn schon bei 68,75 Euro.
  • Müssen von dem Durchschnittsstundenlohn des Freiberuflers noch Büroräume, Aushilfen, Büromaterialien etc. bezahlt werden, erhöht das den Lohn weiterhin. Pauschal sollten 15% sogenannte Nebenkosten eingerechnet werden. Ergibt einen Durchschnittsstundenlohn von 79 Euro.

Um also den gleichen Betrag im Geldbeutel zu haben wie sein angestellter Kollege, muss der Freiberufler mindestens einen Durchschnittsstundenlohn von 80 Euro verlangen.

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