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Die eigene Wahrnehmung schärfen - Tipps

Der Kollege ist angeblich schwierig, die Partnerin hat auch schon wieder etwas falsch verstanden und sogar der eigene Hund scheint beleidigt in der Ecke zu hocken - doch vielleicht ist auch alles ganz anders? Vielleicht gehören Sie zu den Menschen, die eher bewerten als beobachten und wahrnehmen - und die mit ihren Bewertungen dann natürlich auch gründlich daneben liegen können. Wenn Sie die eigene Wahrnehmung schärfen, werden Sie die Welt in vielen Situationen mit ganz neuen Augen sehen.

Genaues Wahrnehmen kann die Welt neu erschließen.
Genaues Wahrnehmen kann die Welt neu erschließen.

Vielen Konflikten liegen Missverständnisse zugrunde, die sich vermeiden ließen: Wenn der Eine das Verhalten des Anderen nicht sofort in eine bestimmte "Schublade" stecken würde, ließe sich vieles klären, bevor eine Kontroverse eskaliert. Wer Verhalten bewertet, statt erst einmal genau wahrzunehmen und einfach zu beobachten, läuft Gefahr, auch alles weitere nur noch aus einer verengten Perspektive zu sehen.

Wahrnehmen statt bewerten

  • Die eigene Wahrnehmung zu schärfen, heißt zunächst, dass Sie sich klar machen sollten, wie oft und wie schnell Sie eine bloße Beobachtung mit einer Bewertung "unterfüttern". Am Ende glauben Sie vielleicht, dass Ihre eigene subjektive Bewertung die "Wahrheit" darstellt - nur dass Ihr Gegenüber vielleicht genau das Gegenteil für "wahr" hält. 
  • Vergegenwärtigen Sie sich einmal, wann Sie ein bestimmtes Verhalten eines anderen Menschen - eine Geste, oder auch nur den Gesichtsausdruck - direkt in bestimmter Weise interpretiert haben. Vielleicht glauben Sie beispielsweise, Kollege XY sei beleidigt und sauer auf Sie, weil er Sie morgens nur flüchtig oder gar nicht gegrüßt hat.
  • Rekonstruieren Sie Ihren sinnlichen Eindruck dann möglichst genau und erinnern Sie sich, was Sie gesehen und gehört haben. Dass Kollege XY ein beleidigtes Gesicht gemacht hat, ist schon eine Interpretation bzw. Bewertung. Denn beleidigt zu sein ist ein innerer emotionaler Vorgang, den von außen kein Mensch mit den eigenen Augen sehen kann. Sehen können Sie aber z. B., dass Kollege XY die Mundwinkel heruntergezogen hat oder dass er mit den Augen zu Boden geblickt hat.

Mit offenen Augen durch die Stadt gehen

  • Eine solche Wahrnehmungsübung können Sie auch mit Ihnen unbekannten Menschen machen. Wenn Sie durch die Stadt gehen, beobachten Sie einmal die Menschen um Sie herum, vielleicht in einer Kassenschlange oder an einem Marktstand. Womöglich haben Sie schnell eine Meinung, ob ein bestimmter Mensch hektisch wirkt, ob er zufrieden oder unglücklich aussieht. 
  • Hinterfragen Sie Ihren Eindruck bzw. Ihre Bewertung dann, indem Sie möglichst genau rekonstruieren, was eigentlich Ihre Wahrnehmung war - also das, was Sie mit Ihren Sinnesorganen Augen, Ohren, Haut (Tastsinn), Nase (Geruch) und Zunge (Geschmack) erfassen können. Je öfter Sie eine solche Wahrnehmungsübung machen, desto leichter wird es Ihnen irgendwann fallen, einfach nur zu beobachten und wahrzunehmen, ohne der Wahrnehmung direkt eine Bewertung zuzuordnen.
  • Dies kann eine große Hilfe sein, wenn Sie beispielsweise mit einem Verhalten konfrontiert werden, das Sie verunsichert. Den Kollegen, der Sie nicht grüßt, können Sie dann nämlich gleich fragen, ob irgendetwas nicht in Ordnung ist - statt davon auszugehen, dass dies mit Sicherheit der Fall ist. Vielleicht war er nur in Gedanken und hat Sie gar nicht gesehen.

Wer die eigene Wahrnehmung schärft, wird weniger häufig in die "Bewertungsfalle" tappen und bekommt einen neuen Blick für das Verhalten anderer Menschen.

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