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Die Bahnfahrt von Guy Helminger - Ende

"Die Bahnfahrt" ist eine bekannte Kurzgeschichte des luxemburgischen Schrifstellers Guy Helminger, die Sie in seiner im Jahr 2001 erschienen Kurzgeschichtensammlung "Rost" (éditions phi, Echternach) sowie in zahlreichen Internetquellen finden können. Bekannt wurde sie vor allem für ihr überraschendes, grausames Ende.

Kurzgeschichte "Die Bahnfahrt"
Kurzgeschichte "Die Bahnfahrt" © BirgitH / Pixelio

Als "Die Bahnfahrt" in der zweiten Prosa-Publikation von Guy Helminger als eine Kurzgeschichte unter vielen veröffentlicht wurde, dachte gewiss noch niemand daran, welchen Bekanntheitsgrad sie erlangen würde.

"Die Bahnfahrt" - Das Prinzip der Kurzgeschichte von Guy Helminger

  • Erzählt wird mittels eines personalen Erzählers eine Straßenbahnfahrt aus der Perspektive einer Gruppe von Mädchen. Ein fremder Junge äußert ihnen gegenüber zunächst, dass er berühmt sei, später, dass sie morgen von ihm in der Zeitung lesen würden. Als eines der Mädchen sich zu ihm wendet, um ihm zu sagen, er solle aufhören, sie haben schon einmal etwas besseres gesehen, eskaliert die Situation.
  • Guy Helmingers Kurzgeschichte ist ein sehr atmosphärischer Text, der durch die Beschreibung der Wirkung, die der Junge auf die Mädchen und ihre Wahrnehmung des Inneren der Straßenbahn hat, eine sehr eindrückliche, bisweilen unheimliche Ausstrahlung gewinnt.
  • Verstärkt wird dies durch den Verzicht auf psychologische Erklärungen für die Aussagen und Verhaltensweisen der Figur des Jungen. Der Blick der Mädchen auf ihn, die Atmosphäre zwischen ihnen und der geringe, aber gewichtige Redeanteil des Jungen selbst, erzielen eine spannungsgeladene Wirkung und lassen den Jungen rätselhaft wirken. 
  • Nicht zuletzt hierdurch entsteht eine symbolische Wirkungsweise, die zahlreiche Metaphern enthält.

Überraschend - das Ende 

  • Guy Helmingers Kurzgeschichte gewinnt durch die atmosphärisch dichte, aber das Psychologische aussparende Erzählweise, Durchlässigkeit, die einen großen Interpretationsspielraum gewährleistet. Trotz des auserzählten, überraschenden Endes, nämlich dem Zücken einer Pistole durch den Jungen und einem Schuss in das Gesicht des Mädchens, das ihn bat, sie in Ruhe zu lassen, ist bis zur vorletzten Zeile ein vielfältiger Ausgang der Geschichte denkbar. Erst der allerletzte Satz determiniert Ausgang und hierdurch rückwirkend eine Charakterisierung des Jungen und seines Verhaltens.
  • Auch aufgrund dieses überraschenden, gewaltvollen Endes wird die Kurzgeschichte häufig im Deutschunterricht behandelt, indem die Schüler ohne Wissen um die letzte Zeile einen eigenen Schluss schreiben sollen. Anhand des Textes werden so im schulischen Kontext neben der Reflexion der Hinführung eines Textes zu seinem Ende, Gewalt und Amokläufe thematisiert.

Fazit: Die an Deutungsmöglichkeiten und Lesarten reiche Kurzgeschichte kann Sie zum Nachdenken anregen. Nicht nur im schulischen Kontext ermöglicht sie eine Reflexion über das Gewaltpotential, das aus einem eigentlich harmlosen Moment entstehen kann.

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