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Deutsch als Fremdsprache - die vier Fälle vermitteln

Haben Sie schon einmal versucht, einem anderen Menschen die vier Fälle des Deutschen beizubringen? Gemeinhin erfolgt hier eine Erklärung der Art "nach dem Nominativ fragt man mit wer oder was?". Solche Erklärungsversuche mögen bei deutschsprachigen Schulkindern funktionieren, bei Nicht-Muttersprachlern werden Sie aber wenig Erfolg damit haben, denn diese wissen für gewöhnlich nicht, mit welchem Fragepronomen man nach einem bestimmten Substantiv fragt. Hier müssen Sie anders vorgehen.

Deutsch zu lernen, ist nicht einfach.
Deutsch zu lernen, ist nicht einfach.

Die Beschreibung der vier Fälle

  • Es gibt vor allem drei Gründe dafür, warum ein Substantiv in einem bestimmten Fall steht. Entweder hat dies mit seiner Funktion im Satz zu tun (siehe unten) oder aber ein bestimmtes Verb oder eine Präposition verlangen einen bestimmten Fall. Beispiele wäre hier etwa: "Er beschuldigte mich des Diebstals." (Beschuldigen verlangt den Genitiv) "Wegen des Hochwassers konnte ich nicht zum Unterricht kommen." (Hier ist das "Wegen" der Grund für die Verwendung des Genitivs.)
  • Der Nominativ wird gemeinhin dann gebraucht, wenn es darum geht, das Subjekt des Satzes zu beschreiben. Da Ihre Schüler wahrscheinlich nicht viel mit Aussagen der Art "Die finite Form des Verbs ist in Bezug auf Numerus und Genus mit dem Subjekt kongruent" anfangen können, beschreiben Sie das Subjekt am besten als den Täter; also als das Lebewesen oder den Gegenstand, der etwas in diesem Satz tut.
  • Das gesprochene Deutsch entledigt sich des Genitivs nach und nach, gelehrt werden sollte er dennoch. Der Genitiv wird dann verwendet, wenn es darum geht, Eigentums- oder Eigenschaftsverhältnisse festzustellen. Beispiel: "Das Fahrrad der Mutter."
  • Der Dativ ist der Fall des indirekten Objekts. Das indirekte Objekt ist nicht der Teil einer Handlung, dem unmittelbar etwas widerfährt (diese Rolle kommt dem Akkusativ zu), sondern sozusagen der Interaktionspartner. "Ich gebe Eva ein Buch." Während das Buch der Gegenstand der Handlung ist, wird Eva selbst nicht direkt manipuliert. Aus diesem Grund ist sie das indirekte Objekt und steht im Dativ. Beachten Sie, dass auch Ortsangaben der Kategorie "wo?" im Dativ stehen. (Auf dem Tisch.)
  • Der Akkusativ ist der Fall des direkten Objekts. Er ist der Fall desjenigen "Etwas", das vom Subjekt manipuliert oder gehandhabt wird, man spricht auch von erleiden. "Der Mann wirft den Ball." Der Ball ist es, der hier etwas "erleidet", er wird nämlich geworfen. Beachten Sie, dass Ortsangaben der Kategorie "wohin?" ebenfalls den Akkusativ verlangen. (Ich gehe in das Gebäude.)

Problemfall "Deutsch als Fremdsprache"

  • Ihr Schüler wird in den allermeisten Fällen Schwierigkeiten haben, die Kasus auf Anhieb zu erkennen oder gar selbst korrekt anzuwenden. Dies wird selbst dann eintreten, wenn in seiner Muttersprache die gleichen Fälle existieren. Der Grund hierfür ist, dass die meisten Menschen ihre eigene Sprache intuitiv verwenden, ohne darüber nachzudenken, welcher Fall jetzt warum gebraucht wird. Verzweifeln Sie also nicht, sondern erklären Sie die Sachverhalte auch mehrmals hintereinander.
  • Die vier Fälle wurden hier nur sehr oberflächlich dargestellt. So kennt das Deutsche etwa ein halbes Dutzend verschiedener Genitive, die sich in ihrer Bedeutung voneinander unterscheiden. Mit solchen Feinheiten sowie Ausnahmen zu den Regeln sollten Sie Ihren Schüler erst einmal verschonen. Der Stoff ist an sich schon fordernd genug.
  • Beachten Sie, dass es mit dem Gebrauch der Fälle nicht getan ist. Schließlich müssen auch noch die verschiedenen Fall-Endungen, etwa bei Pronomen, vermittelt und gelernt werden.
  • Zu guter Letzt: Verwenden Sie niemals die Bezeichnungen "erster Fall", "zweiter Fall" et cetera. Während die Fälle vor allem in der älteren DAF-Literatur in der Reihenfolge Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ vermittelt wurden, ist heute das Schema Nominativ, Akkusativ, Dativ, Genitiv heute populärer. Bezeichnungen wie "der zweite Fall" können hier für Verwirrung sorgen.
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