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Der große Gatsby - Porträt einer tragischen Figur

"Der große Gatsby" von F. Scott Fitzgerald ist ein Klassiker der amerikanischen Literatur. Schuld daran ist vor allem die namesgebende Hauptfigur des Buches. Doch was ist dran an diesem Jay Gatsby und warum hat der Roman eine so wichtige Aussage?

"Der große Gatsby" spielt in den 20ern - eine der Hauptpersonen ist Flappermädchen Daisy.
"Der große Gatsby" spielt in den 20ern - eine der Hauptpersonen ist Flappermädchen Daisy.

Ein großer amerikanischer Klassiker - Rahmeninformationen

  • Der Originaltitel des Romans lautet "The Great Gatsby", er wurde für den deutschen Markt also lediglich eingedeutscht. "Great" bedeutet aber nicht nur groß, sondern auch "toll" oder "großartig".
  • Der Autor F. Scott Fitzgerald veröffentlichte das Buch im Jahre 1925. Ein großer Erfolg war es damals nicht. Erst in den Vierzigerjahren, nach Fitzgeralds Tod, wurde sein Werk wirklich gewürdigt.
  • In den USA gehört "Gatsby" heutzutage zu den Standardwerken, die an der Schule und der Uni behandelt werden. Es hat einen ähnlichen Stellenwert wie in Deutschland die Werke Schillers oder Goethes.
  • Der Roman ist gleich mehrfach verfilmt worden: zuerst 1926 als Stummfilm und zuletzt 2013 mit Leonardo DiCaprio in der Titelrolle. Sowohl diese Version als auch die von 1974 (mit Robert Redford) gilt als umstritten, da beiden die Tiefe der literarischen Vorlage fehle.

Die Handlung des Romans

  • In "Der große Gatsby" geht es um den jungen Aktienhändler Nick Carraway, der nach West Egg auf Long Island zieht. Er hat nicht viel Geld, ist aber von protzigen Villen umgeben. Eine davon gehört dem geheimnisvollen Millionär Jay Gatsby, der jedes Wochenende große Partys veranstaltet, dabei aber entweder gar nicht da ist oder sich stark zurückhält.
  • Carraway ist fasziniert von Gatsby und die beiden lernen sich kennen. Dabei erfährt Carraway, dass Jay Gatsby unsterblich in seine (Carraways) entfernte Verwandte Daisy Buchanan verliebt ist, die gemeinsam mit ihrem Mann auf der anderen Seite der Bucht von West Egg lebt. Vor einigen Jahren, ehe Jay zum Ersten Weltkrieg eingezogen wurde, hatten die beiden eine kurze Affäre.
  • Mit seinem Reichtum und seinen ausschweifenden Festen versucht er nun, Daisy anzulocken, da sie aus reichem Hause stammt und er ihr ein gutes Leben bieten will. Daisy, die mittlerweile mit dem rassistischen Polospieler Tom Buchanan verheiratet ist, lässt sich durch Carraway ein Treffen mit Jay Gatsby vermitteln. Tatsächlich flammt die Liebe der beiden wieder auf und sie beginnen eine erneute Affäre.
  • Doch als Jay verlangt, dass sie ihren Mann verlässt und ganz zu ihm kommt, knickt Daisy ein und es kommt zu einem tragischen Unfall. Am Ende des Buches bricht die Prachtfassade Gatsbys immer mehr in sich zusammen:
  • Sein Reichtum stammt aus illegalem Alkoholschmuggel, seine Liebe zu Daisy ist obsessiv, wird von ihr aber nicht auf die gleiche Art erwidert. Nachdem Daisy bei dem Unfall versehentlich eine Frau tötete, nimmt Jay die Schuld auf sich und wird schließlich von deren Mann erschossen.

Jay Gatsby - Traumtänzer und romantischer Held

  • Obwohl die Geschichte aus der Sicht Nick Carraways erzählt wird, ist Gatsby die tragende Figur des Dramas. Das liegt daran, dass dieser Figur ein ganz klares Motiv innewohnt: Er symbolisiert nichts anderes als den amerikanischen Traum per se.
  • So kommt im Verlauf des Romans heraus, dass Gatsby keineswegs aus so gutem Hause stammt wie Daisy oder ihr Mann Tom. Stattdessen ist sein echter Name James Gatz und er stammt von einer ärmlichen Farm. Nachdem er Daisy bei ihrem ersten Treffen vorspielte, ihr etwas bieten zu können, wird es sein ganzer Lebensinhalt, das Bild, das er ihr von sich vermittelte, wahr werden zu lassen.
  • Tatsächlich gelingt ihm das auch - nach dem Krieg wird er vom armen Farmjungen zum Millionär. Carraway gegenüber gibt er vor, sich diesen ganzen Reichtum ehrlich erarbeitet zu haben. Dabei erzählt er Lügen, die teils so abenteuerlich klingen, dass Carraway schnell klar wird: Gatsby verschleiert seiner Vergangenheit und erhöht sich krankhaft selbst.
  • Und so, wie der amerikanische Traum im echten Leben häufig nichts als eine Schimäre ist und die, die sich daran versuchen, in vielen Fällen scheitern, scheitert am Ende auch Gatsby. All seine "Freunde", die seine Partys besuchen, erfahren von seinen illegalen Machenschaften.
  • Er wird für eine Tat erschossen, die er nicht begangen hat. Daisy, seine große Liebe, entscheidet sich schon vorher gegen ihn und für die Sicherheit, die ihr ihr reich geborener Mann bietet. Zu Gatsbys Beerdigung kommt niemand außer Nick Carraway, seinem Vater und einem geheimnisvollen, namenlosen Mann.
  • Gatsbys Lebenstraum, die Vereinigung mit seiner großen Liebe, war am Ende eben wirklich nichts als ein Traum, und so erweist sich der "Held" eben als Träumer, der jeden Realitätssinn verloren hat. Die Aussage: Egal, wie sehr sich Gatsby bemüht, die ersten, unbeschwerten Wochen seiner Liebe mit Daisy lassen sich nicht ins Hier und Jetzt zwingen.
  • Fitzgeralds Quintessenz ist also, dass man gegen sein Schicksal, egal wie sehr man es sich wünscht, machtlos ist und aus jedem Traum irgendwann erwacht. Das ist sehr traurig, macht das Buch aber auch zu dem tiefsinnigen Klassiker, der es ist.
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