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Der Darm des Pferdes - Aufbau und mögliche Kolikursachen

Bei Pferdebesitzern ist die Kolik ein gefürchtetes Symptom, das oft mit Tierarztbesuchen und Operationen verbunden ist. Um die Anfälligkeit der Pferde für Bauchschmerzen zu verstehen, sollten Sie den Aufbau des Pferdedarms einmal näher betrachten.

Bei starker Kolik werfen sich viele Pferde auf den Boden.
Bei starker Kolik werfen sich viele Pferde auf den Boden.

Anatomische Struktur des Verdauungsapparates bei Pferden

Der Verdauungsapparat des Pferdes ist darauf ausgelegt, aus den Gräsern karger Steppenlandschaften Nährstoffe zu ziehen. Daraus erklärt sich auch sein Aufbau:

  • Vor dem Darm besitzt das Pferd einen Magen, der im Verhältnis zur Tiergröße klein ist und nur ca. 15 Liter Fassungsvermögen besitzt. Hier befinden sich eine drüsenreiche Schleimhaut und ein drüsenloser Schleimhautanteil.
  • Anschließend setzt sich der Verdauungstrakt in den Dünndarm, bestehend aus Zwölffingerdarm, Leerdarm und Hüftdarm, fort. Hier werden wichtige Nährstoffe resorbiert und Vitamine und Mineralien aufgenommen. Der Dünndarm ist bis zu 20 Meter lang.
  • Der Blinddarm hat mit 50 Liter Fassungsvermögen ein beachtliches Ausmaß. Wie der Name sagt, endet dieser Darmabschnitt blind an der rechten Bauchwand im sogenannten Blinddarmkopf.
  • Beim Pferd ist der Dickdarm zu einer großen Gärkammer umfunktioniert. Das aufsteigende Colon, auch großes Colon genannt, ist hufeisenförmig angeordnet. Beginnend von rechts am Bauch läuft es Richtung Kopf und schlägt am Zwerchfell nach links hinten um. Dort befindet sich die sogenannte Beckenflexur und der Darm setzt sich in die oberen Lagen fort.
  • Anschließend geht der Darminhalt über den absteigenden Dickdarm und den Mastdarm hinaus.

Prädilektionsstellen für Koliken

Kolik ist, entgegen der landläufigen Meinung, keine Diagnose, sondern ein Symptom. Ursachen dafür können im kompletten Bauchbereich liegen.

  • Der Pferdedarm hat viele Engstellen, an denen sich der Inhalt, die Ingesta, ansammeln kann. Häufig von Verstopfungen betroffen ist der Übergang vom Dünndarm in den Blinddarm. Auch im Blinddarm selbst kann sich Nahrung anstauen. Dadurch, dass diese Masse dann auf dem Dickdarm lastet, ist der Ausgang nicht mehr offen, was die Kolik verstärkt.
  • Ein weiterer Engpass ist die Beckenflexur. Hier kann das Pferd als Wüstentier durch die Rückhaltung von Nahrung noch die letzten Nährstoffe resorbieren. Bei heutiger Haltung ist dies nicht nötig.
  • Aber auch außerhalb des Darmes lauern Fallen: Es gibt im Bauchraum des Pferdes physiologische Hohlräume, in die der Darm fallen kann. Ähnlich wie beim Menschen wäre dabei die Leistengegend oder der Nabel zu nennen. Auch in das große Netz, ein Gekröserest im Bauch, kann Darm hineinfallen. Wenn die Blutversorgung abgeklemmt wird, kommt es zu Sauerstoffmangel im Darmgewebe, wodurch dieses absterben kann.
  • Ein weiterer Nachteil ist die freie Beweglichkeit vieler Darmabschnitte. Der lange Leerdarm kann sich um seine eigene Achse wickeln. Ebenso können sich auch die unteren und oberen Kolonlagen ineinander verdrehen. Solche Vorfälle werden als Torsion bezeichnet und verlangen meist einen chirurgischen Eingriff.

Ursachen und Prävention der Koliken

Die meisten Pferde leiden einmal in ihrem Leben an einer Kolik, auch wenn diese nicht immer kompliziert sein muss. Mit einigen Mitteln kann man dem allerdings vorbeugen.

  • Koliken entstehen nicht nur im Darm, sondern beispielsweise auch im Magen. Hier treten oft Geschwüre auf, auch bei jungen Fohlen. Vermeiden lässt sich dies zum einen durch Stressvermeidung, zum anderen durch eine artgerechte Fütterung. Diese beinhaltet vor allem die Fütterung von Heu. Sinnvoll ist auch, das Heu vor dem Kraftfutter zu reichen, da dieses viel länger im Magen liegt.
  • Entwurmen Sie Ihr Pferd regelmäßig. Einige Parasiten, beispielsweise Spulwürmer, können das Darmlumen verstopfen, was zu hochgradigen Koliken führen kann.
  • Auch erhöhte Sandaufnahme kann zu einer Kolik führen. Diese Ursache tritt in Deutschland jedoch immer seltener auf, da die meisten Pferde nicht mehr auf Sand stehen.
  • Viele Kolikursachen, wie zum Beispiel Torsionen, haben keine direkte Ursache. Hier ist es nur wichtig, das Pferd zu beobachten und die Nummer eines Tierarztes parat zu haben. Im Falle einer Kolik ist schnelles Handeln von großer Bedeutung.

Für die meisten Pferde geht eine Kolik glimpflich aus. Mit einem geeigneten Fütterungsregime können Sie vielen Kolikformen vorbeugen.

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