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Der Bau einer Lochkamera - Schritt für Schritt zum Foto

Der Bau einer Lochkamera verschafft Ihnen völlig neue Einblicke in die Welt der Fotografie. Die Kameras sind einfach zu bauen, da sie nur aus einer Kartonschachtel mit einem winzigen Loch bestehen.

Lochkameras sind einfach nur Kästen mit einem kleinen Loch.
Lochkameras sind einfach nur Kästen mit einem kleinen Loch.

Was Sie benötigen:

  • Schachtel mit Deckel (Verpackung von Waschmitteltabs)
  • Schwarzes Tonpapier
  • Schwarze Farbe
  • 4 x 6 cm dünnes Blech oder dicke Metallfolie
  • 80 cm Draht
  • Klebestreifen
  • Schmirgelpapier
  • Fotopapier für schwarz-weiße Bilder (Gradation 1 oder 2)
  • Entwickler
  • Fixierer
  • Essig
  • Wasser
  • 3 kleine Kunststoffwannen
  • 1 Schüssel
  • Wäscheleine
  • Wäscheklammern
  • Rote Glühbirne
  • Große Pinzette
  • Glasplatte
Strahlengang an der Lochkamera
Strahlengang an der Lochkamera © Roswitha Gladel

Prinzip der Lochkamera

Die Kamera und Ihre Physik ist überraschend einfach: Jeder Punkt eines Gegenstandes, den Sie sehen können, sendet nach allen Richtungen Lichtstrahlen aus.

  • Wenn Sie lichtempfindliches Papier vor den Gegenstand halten, kann kein Bild auf dem Papier entstehen. Es treffen zu viele Lichtstrahlen auf, das Papier verfärbt sich gleichmäßig.
  • Geben Sie das Papier in eine kleine  Kiste, in die kein Licht eindringen kann. Es verfärbt sich logischerweise nicht, weil kein Licht eindringt.
  • Stechen Sie gegenüber vom Papier ein winziges Loch in die Kiste. Durch das Loch dringen nur wenige Lichtstrahlen ein. Bei einem sehr kleinen Loch dringt von jedem Punkt des Körpers ein Lichtstrahl ein. 
  • Das Papier verfärbt sich nur an den Stellen, wo es vom Licht getroffen wird. In Bild 1 sehen Sie den Verlauf der Strahlen. Es entsteht ein Bild, das auf dem Kopf steht.
  • Je größer der Abstand zwischen dem Papier und dem Loch ist (Bildweite), desto größer ist das Bild. Eine kleine Lochblende erzeugt ein schärferes Bild, als ein großes Loch, dafür müssen Sie das Bild länger belichten.
  • Durch das winzige Loch fällt sehr wenig Licht in den Kasten. Aus diesem Grund brauchen sie lange Belichtungszeiten. Ein Verschluss, wie bei einer herkömmlichen Kamera, ist nicht nötig. Es genügt, das Loch mit dem Finger zu verschließen. Bei der Kamera nach dieser Bauanleitung erfüllt ein Halter für ein Stückchen Pappe diesen Zweck.

Bau einer einfachen Kamera

Sie brauchen für den Bau einer Lochkamera nur eine Schachtel, schwarze Farbe, Draht, Fotopapier und Klebestreifen. Der Bau ist nach der folgenden Bauanleitung kein Problem. Das Fotopapier kommt später in den Deckel des Kartons, das Loch müssen Sie also in den Boden stechen.

  1. Prüfen Sie nach, ob der Deckel das Innere des Kartons gegen Licht abschirmt. Falls Sie sich nicht sicher sind, schneiden Sie einen zehn Zentimeter breiten Streifen vom Tonpapier ab. Er muss einmal um den Karton reichen. Kleben Sie diesen Streifen um den Rand des Deckels. Die große Überlappung verhindert jeglichen Lichteinfall.
  2. Verbinden Sie von außen die gegenüberliegenden Ecken des Bodens mit je einer Linie. Schneiden Sie dort, wo sich die Linien treffen, ein Loch von einem Zentimeter Durchmesser aus. Bemalen Sie den Karton von innen mit schwarzer Farbe.
  3. Markieren Sie auch auf dem Blech die Diagonalen und stechen Sie in die Mitte ein winziges Loch mit einer Nadel. Schleifen Sie die dabei entstehenden Grate ab. Der Rand des Lochs muss absolut glatt sein.
  4. Bringen Sie das Blech über dem Loch im Karton an, in dem Sie es ringsum mit Klebeband ankleben. Orientieren Sie sich an den aufgezeichneten Diagonalen, damit das Loch genau in der Mitte liegt.
  5. Schneiden Sie je einen Kreis mit vier und mit drei Zentimeter Durchmesser aus der Pappe. Halbieren Sie den größeren Kreis und kleben Sie ihn auf das Blech. Die Schnittlinie muss einen Zentimeter unter dem Loch liegen. Kleben Sie nun die Rundung mit Tape an. Der andere Kreis dient als Verschluss. Stecken Sie ihn zwischen Halbkreis und Blech.
  6. Trennen Sie vom Draht ein Stück ab, das 16 Zentimeter länger ist, als die Breite Ihrer Kamera. Biegen Sie an jedem Ende acht Zentimeter im rechten Winkel um. Der entstandene Rahmen ist Teil des Suchers.
  7. Kleben Sie dem Rahmen  mit Tape an den Karton. Er soll über dem Boden mit dem Loch als Rahmen über Ihrer Kamera stehen. Richten Sie den Rahmen aus. Er muss die Höhe und die Breite der Kamera haben.
  8. Kleben Sie genau in die Mitte des Deckels einen weiteren Draht von etwa 25 Zentimeter Länge, der senkrecht nach oben steht. Seine Spitze muss mit der Mitte des Rahmens auf einer Linie liegen, die parallel zu den Kanten des Kartons verläuft. In Bild 2 sehen Sie den Sucher.

Ihre Lochkamera ist nun fertig. Um die Bilder sehen zu können, brauchen Sie ein kleines Fotolabor.

Fotografieren und Entwickeln der Bilder

Die benötigten Chemikalien sind ätzend und hinterlassen Flecken. Achten Sie auf geeignete Kleidung und eine Arbeitsfläche, die von den Substanzen nicht angegriffen wird. Außerdem ist eine Dunkelkammer erforderlich. In dieser darf während der Arbeit nur ein rotes Licht brennen.

  1. Legen Sie das Fotopapier bei rotem Licht in den Deckel der Lochkamera. Die glatte Seite muss oben liegen. Sichern Sie das Papier mit einem winzigen Stück Tape. Schließen Sie den Deckel und den Verschluss vor dem Loch.
  2. Nun dürfen Sie mit der Kamera ins Freie. Suchen Sie ein geeignetes Motiv. Die Belichtungszeiten sind lang, die Kamera muss daher auf einem festen Untergrund liegen. Peilen Sie das Motiv über die Spitze des Stabs durch den Rahmen an. Entfernen Sie den Deckel vor dem Loch. Warten Sie eine Minute, bevor Sie das Loch wieder schließen.
  3. Füllen Sie in der Dunkelkammer in eine der kleinen Wannen zwei Zentimeter hoch mit Wasser verdünnten Entwickler. In die zweite Wanne kommt Wasser mit Essig. Es soll leicht sauer schmecken. Geben Sie in die Dritte den mit Wasser verdünnten Fixierer. Füllen Sie die Schüssel mit Wasser. Anmerkung: Verdünnen Sie Entwickler und Fixierer nach den Angaben des Herstellers. Das Stopperbad (Essig mit Wasser) muss nicht genau dosiert werden.
  4. Schalten Sie die rote Lampe an und das Licht aus, bevor Sie die Kamera öffnen. Legen Sie das Fotopapier höchstens zwei Minuten in den Entwickler. Sie sehen, wie sich langsam ein Bild entwickelt. Nehmen Sie das Papier mit der Pinzette heraus, wenn das Motiv deutlich zu erkennen ist.
  5. Legen Sie Ihr Bild für eine Minute in das Stopperbad und anschließend für eine weitere Minute in den Fixierer. Nun kommt es in die Schüssel mit Wasser. Lassen Sie es eine Weile darin, damit sich die Chemikalien ablösen. Jetzt dürfen Sie das Bild mit den Fingern anfassen und auch das Licht anschalten. Hängen Sie es zum Trocknen an eine Leine.
  6. Sie haben nun ein seitenverkehrtes Negativ. Was im echten Leben schwarz ist, sehen Sie auf dem Bild weiß. Arbeiten Sie wieder bei rotem Licht. Legen Sie Fotopapier mit der glatten Seite nach oben auf den Tisch. Decken Sie es mit Ihrem Negativ ab. Das Motiv muss zum Fotopapier zeigen. Legen Sie eine Glasplatte über die beiden Papiere, damit nichts verrutscht und alles fest zusammengedrückt wird. Halten Sie eine starke Lichtquelle genau über das Glas und schalten Sie für höchstens eine Sekunde das Licht an. Entwickeln Sie das Bild wie beschrieben.

Der Bau der Kamera ist sehr einfach, aber Sie brauchen eine Dunkelkammer. Viele Fotoclubs oder Foto-AGs an Schulen sind gerne bereit, Anfängern beim Entwickeln zu helfen. Fragen Sie, ob Sie die Dunkelkammer benutzen dürfen.

Aufbau der Kamera
Aufbau der Kamera © Roswitha Gladel
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