Was wird im Deutschen dekliniert?

Deklinationen sind ein wichtiger Bestandteil der deutschen Sprache. Der Begriff bedeutet, dass ein Wort durch Veränderung an Einzahl oder Mehrzahl, Geschlecht und Fall angepasst wird. Wer Latein gelernt hat, wird bemerkt haben, dass Deutsch weniger dekliniert als alte Sprachen. Tatsächlich aber wird in unserer Sprache mehr dekliniert als in den meisten anderen gängigen modernen Fremdsprachen wie Englisch, Französisch oder Spanisch - jedenfalls, was die Anpassung an die Fälle angeht, worauf sich dieser Artikel beschränkt. Allerdings gibt es auch moderne Sprachen, die noch weit mehr Deklinationen haben, weil sie auf einem archaischeren Sprachstand sind, zum Beispiel das Isländische.

  • Substantive (Nomen) werden im Deutschen in der Regel nur im Genitiv Singular und im Dativ Plural dekliniert. Eine Ausnahme bildet das Wort "Herr" in der Anrede: Hier muss im Dativ Singular dekliniert werden, denn es heißt: "Ich gebe Herrn Müller seine Bücher zurück." Ansonsten kann im Dativ Singular teilweise dekliniert werden, um eine poetischere Sprache zu kreieren: "Das Bad mit dem Kinde ausschütten". Die Deklination von Eigennamen kommt nur in sehr poetischer Sprache vor, zum Beispiel bei Goethe, der von "Lotten" spricht. Pronomen werden ebenfalls dekliniert.
  • Verben werden grundsätzlich nie dekliniert, sondern konjugiert. Sie werden also an Person, Zeit, Modus (Indikativ, Konjunktiv oder Imperativ) und Diathese (aktiv oder passiv) angepasst.
  • Die Deklination ist im Deutschen weiter sehr wichtig für Adjektive und Artikel. Der bestimmte wie der unbestimmte Artikel heißen teilweise in allen vier Fällen anders.
  • Nicht dekliniert werden alle "kleineren" Wörter, also Adverbien, Konjunktionen, Präpositionen und Partikel. Das würde auch keinen Sinn haben, da diese Wörter an keinen Fall angepasst werden können.

Diese Deklinationen gibt es

Das Deutsche hat vier Fälle.

  • Im Nominativ steht das Wort in seiner Grundform. Dieser Fall wird mit "wer oder was" erfragt. Bei dem Satz: "Die Mutter gibt dem kleinen Kind das Stofftier seines großen Bruders" erfragt man das Subjekt, das im Nominativ steht, mit: "Wer gibt dem kleinen Kind das Stofftier seines großen Bruders?" Antwort: "Die Mutter."
  • Der Genitiv wird im Singular dekliniert und wird mit "wessen" erfragt: "Wessen Stofftier gab die Mutter dem kleinen Kind?" Antwort: "Das seines großen Bruders." Hier werden also Possessivpronomen, Adjektiv und Nomen dekliniert.
  • Der Dativ wird mit "wem" erfragt. "Wem gab die Mutter das Stofftier seines großen Bruders?" Antwort: "Dem kleinen Kind." Das Wort Kind kann hier auch dekliniert werden: "Dem kleinen Kinde."
  • Der Akkusativ wird mit "wen oder was" erfragt. "Wen oder was gab die Mutter dem kleinen Kinde?" "Das Stofftier seines großen Bruders."