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D.A.F. de Sade - Biografie des Schriftstellers

Donatien Alphonse Francois de Sade, besser bekannt als Marquis de Sade, ist eine der kontroversesten historischen Figuren. Adliger, Hauptmann, Libertin, Gefangener, Revolutionär, Schriftsteller, Verrückter - sein Leben würde problemlos mehrere Buchbände füllen. Wie Sie sehen werden, zeigt schon ein kurzer Überblick, wie außergewöhnlich de Sade war.

Das Schloss oben im Bild war die Bleibe des Marquis in La Coste, Frankreich.
Das Schloss oben im Bild war die Bleibe des Marquis in La Coste, Frankreich.

Kindheit, Jugend und Heirat

Jean-Baptiste-Francois-Joseph de Sade war ein Mann, der nicht mit Geld umgehen konnte. Seine Karriere am französischen Hof hatte er sich durch unvorsichtige Äußerungen verbaut. Dennoch war es eine entfernte Verwandte der Bourbonen, mit der er seinen berühmten Sohn zeugte.

  • Dieser wurde am 02. Juni 1740 in Paris geboren. Bei seiner Taufe passierte ein Malheur: Eigentlich hätte der Neugeborene Donatien Aldonse Louis heißen sollen. Weil aber all seine Verwandten verhindert waren, geriet der Namenswunsch in Vergessenheit und der Junge wurde auf Donatien Alphonse Francois getauft.
  • Seine ersten Lebensjahre verliefen unbeschwert. Trotz der Armut seines Vaters wurde de Sade wegen seiner adligen Herkunft wie ein kleiner Prinz behandelt. Rufen Sie sich vor Augen, dass er in der Zeit des Absolutismus auf die Welt kam: Die Adligen galten als Halbgötter, alle anderen als wertloses Fußvolk. Dieser Standesdünkel sollte de Sade sein Leben lang verinnerlicht bleiben, was gewichtige Annahmen über ihn ad absurdum führt. Dazu später mehr.
  • Der kleine Donatien lebte zunächst bei seiner Mutter, die eine Hofdame war, im noblen Hôtel de Condé. Dabei sollte es aber nicht bleiben: Als er im Alter von 4 Jahren einen 8-jährigen Spielkameraden verprügelte, weil dieser ihm ein Spielzeug wegnahm, entschied man, ihn fortzuschicken.
  • Bei seinem Onkel, dem geistlichen Abbé de Sade, lebte er, bis er 14 war. Er besuchte dort eine Jesuitenschule, auf der er zum ersten Mal mit der Praxis der Flagellation (Auspeitschung) in Kontakt gekommen sein soll. Auch bekam er mit, dass der Abbé keineswegs einen geistlichen, sondern eher einen libertären Lebensstil verfolgte. Das Motiv des sexuell aktiven Geistlichen taucht in seinen späteren Schriften immer wieder auf.
  • Im Alter von 14 nahm Donatien eine militärische Ausbildung in Angriff, die zunächst von Erfolg gekrönt war. Er kämpfte im Siebenjährigen Krieg und soll die Festung von Port-Mahon praktisch im Alleingang eingenommen haben. Aus der damaligen Zeit ist bekannt, dass de Sade sehr furchtlos und abgriffslustig agierte, was ihm hohes Lob einbrachte. Abseits des Schlachtfelds galt er jedoch als junger Spieler, der das wenige Geld seines Vaters verzockte. Auch soll er in jedem Dorf eine Geliebte gehabt haben.
  • Sein Vater, der ihm ständig folgte, versuchte, ein Auge auf ihn zu haben. Donatien entschuldigte sich für seine Fehltritte immer wieder schriftlich und in ausgefeiltester Form. Irgendwann ließ sich Jean-Baptiste aber nicht mehr täuschen: Er wollte "den Bengel" nur noch loswerden, um seine Nerven zu schonen - möglichst durch eine schnelle Heirat.
  • Wie bereits erwähnt, waren die Sades nicht reich. Daher machte sich Donatiens Vater auf die Suche nach einer vermögenden Braut. Diese fand er in Renée-Pélagie de Montreuil. Sie gehörte einer Handelsfamilie an, die der Verbindung mit den adligen de Sades freudig zustimmte. Zu diesem Zeitpunkt ahnte niemand, wie viel Ärger der neue Ehemann/Schwiegersohn den Montreuils noch einbringen sollte.

Die Skandale des Donatien de Sade - und deren Folgen

  • In den ersten Monaten der Ehe gab Donatien sich mustergültig. Zwar beschwerte er sich heimlich, seine Frau sei plump und gefalle ihm nicht - seine Schwiegermutter, die in der Familie das Sagen hatte, umgarnte er jedoch. Donatien, damals gerade 23 Jahre alt, war charmant und äußerst gutaussehend.
  • Anders als viele glauben, war de Sade nicht schwarzhaarig, sondern blond. Er hatte blaue Augen und ein hübsches, freundliches Gesicht. Eine Vorstellung von seiner Optik bekommen Sie, wenn Sie sich Van Loos Sade-Miniatur ansehen. Diese zeigt ihn mit 21 und ist das einzige bestätigte Portrait des Marquis.
  • Seine Schwiegermutter war zunächst begeistert von dem wohlerzogenen Adligen, doch er schaffte es nicht lange, die Fassade aufrecht zu erhalten. Obwohl er mit Renée-Pélagie über die Jahre drei Kinder zeugte, war er nie Teil des Familienlebens. Ständig ging er auf Reisen und pflegte den Lebensstil eines Libertins. Hierbei ereigneten sich drei große Skandale, die ihn in der Gunst seiner Schwiegereltern und der Öffentlichkeit immer tiefer sinken ließen.
  • Der erste Skandal fand im Jahre 1968 statt. Sade lockte eine Bettlerin namens Rose Keller in ein von ihm angemietetes Häuschen. Er gab vor, sie als Haushälterin beschäftigen zu wollen - stattdessen fesselte er sie und peitschte sie aus. Rose Keller konnte fliehen und machte den Fall publik, was Sade eine siebenmonatige Haft einbrachte.
  • Danach war er angehalten, sich auf sein provenzalisches Schloss La Coste zu begeben - dort hielt es ihn jedoch nicht. Nachdem er eine Affäre mit der Schwester seiner Frau begonnen hatte, dürstete es ihn nach mehr. Mit seinem Diener Latour fuhr er nach Marseille, wo er mehrere Prostituierte versammelte. Unter einem Vorwand verabreichte er ihnen Kantharidinbonbons - wie Sie vielleicht wissen, handelt es sich bei Kantharidin um ein Aphrodisiakum.
  • Dies löste jedoch schwere Vergiftungserscheinungen aus, mehrere der Frauen zeigten de Sade an. Dieser wurde wegen Vergiftung und Sodomie angeklagt und musste fliehen. Auf die Flucht nahm er seine Schwägerin mit, die immer noch seine Geliebte war. Seine Frau erduldete alles und kämpfte wie eine Löwin für seine Freilassung. Seine Schwiegermutter jedoch eröffnete eine Hetzjagd auf den Libertin.
  • Unruhige Jahre folgten: Immer wieder musste Sade sich verstecken und fliehen. Er wurde festgenommen, konnte aber fliehen, wobei er immer wieder große List bewies: Einmal entkam er durch ein Toilettenfenster. Ein anderes Mal tat er, als würde er auf einer Treppe stolpern und rannte dann einfach davon.
  • In jenen Jahren ereignete sich auch der dritte große Skandal: Auf die Affäre Rose Keller und die Affäre von Marseille folgte der Skandal der kleinen Mädchen. Sade beschäftigte mehrere Jugendliche auf seinem Schloss, die er dort zu unzüchtigen Handlungen angehalten haben soll. Als die Eltern ihre Kinder zurückverlangten, machten sowohl der Marquis als auch seine Frau Probleme. Die Lage spitzte sich zu und es kam, wie es kommen musste: Endlich schaffte es Sades Schwiegermutter, den Libertin festsetzen zu lassen.

Der Gefangene Donatien de Sade

  • Diesmal sollte er nicht so einfach davon kommen: Von seinem achtunddreißigsten bis zu seinem fünfzigsten Lebensjahr war de Sade inhaftiert, unter anderem in der berüchtigten Bastille. Aus dieser Zeit lässt sich viel Spannendes berichten. Zum einen entwickelte de Sade eine regelrechte Zahlenmanie: Immer wieder glaubte er, Zeichen zu erkennen, die auf seine baldige Freilassung hindeuteten.
  • Zum anderen bewies seine Frau in den ersten Jahren tiefe Stärke. Sie hielt zu ihrem Mann und versuchte immer wieder, seine Freilassung zu erwirken. Er schrieb ihr viele Briefe, mal voller Beleidigungen, mal voll zärtlicher Liebesbekundungen. Sicher sind Sie neugierig, wie sie auf ihn "hereinfallen" konnte.
  • Bis heute konnte die Beziehung der beiden jedoch nicht vollständig geklärt werden. In Anbetracht dessen, dass Sade als Sadist im sexuellen Sinne galt, ist es allerdings möglich, dass Renée-Pélagie eine ausgeprägt devote Ader besaß. In den letzten Haftjahren schaffte es ihre Mutter jedoch, sie immer weiter von Donatien zu entfernen. Auch seine Kinder hatten nur wenig Kontakt zu ihm.
  • Der wohl interessanteste Punkt aus Sades Haftzeit ist jedoch Folgender: Er fing in jenen Jahren an, sich ernsthaft mit dem Schreiben zu beschäftigen. So verfasste er in der Bastille sein berüchtigtstes Werk "Die 120 Tage von Sodom". Beim Sturm auf die Bastille ging dieses jedoch verloren - dass es schließlich gefunden und veröffentlicht wurde, hat Sade nie erfahren.

Marquis de Sade als Revolutionär und Schriftsteller

  • Dass die Bastille im Revolutionsjahr 1789 überhaupt gestürmt wurde, soll jedoch ebenfalls dem Marquis de Sade zu verdanken sein. Aufgrund der Unruhen vor den Toren der Festung verbot man dem Adligen seine Spaziergänge auf den Festungsmauern - das wollte der nicht auf sich sitzen lassen.
  • Er funktionierte ein Rohr, das eigentlich zum Ablassen der Fäkalien aus der Zelle diente, zum Megafon um. Dann rief er aus dem Fenster: "Sie töten die Gefangenen hier drin!" Sein Geschrei wiegelte die Massen auf, sodass Sade bis heute als Auslöser der Revolution angesehen wird. Unglücklicherweise wurde er noch vor dem Sturm in ein anderes Gefängnis gebracht - kurz darauf aber entlassen.
  • Wie Sie sich denken können, wusste der listige Marquis sich sein Revolutionsverdienst zunutze zu machen. In den folgenden Jahren wandelte er sein Image komplett: Während um ihn herum immer mehr Adlige von den Revolutionären hingerichtet wurden, nannte er sich "Louis Sade" und lebte ein bürgerliches Leben.
  • Mit seinem schriftstellerischen Talent stellte er sich in den Dienst der Revolutionäre, verfasste Reden und stieg in deren Gefüge auf. Schließlich wurde ihm eine große Genugtuung zuteil: Sein ehemaliger Schwiegervater ersuchte ihn um Gnade, als den Montreuils ebenfalls die Guillotine drohte. Obwohl seine Stiefmutter ihn ins Gefängnis gebracht und Renée-Pélagie sich scheiden lassen hatte, tat er Folgendes: Er sorgte dafür, dass die Montreuil von der Liste der Adligen gestrichen wurde. Somit rettete er ihnen das Leben.
  • Diese Jahre in Sades Werdegang werden häufig zu seiner Rehabilitation verwendet. Sein libertines Leben sei nur Protest gegen den Absolutismus gewesen, er sei ein Demokrat, ein Revolutionär, rechtschaffen und gnädig. Wenn auch Sie diese Sade-Apologien kennen, sollten Sie wissen, dass sie schlicht falsch sind. Aus Sades Briefen und seinen Werken geht hervor, dass er stets ein typischer Adliger blieb. Er sah sich immer als etwas Besseres an, verachtete die Revolution und verklärte den Absolutismus. Die Montreuil rettete er nur, weil billige Rache nicht in sein Bild eines Edelmannes passte.
  • Nach einigen Jahren als Bürgerlicher holte ihn seine adlige Herkunft allerdings ein. Auch die Tatsache, dass er als Verfasser des Skandalbuchs "Justine oder vom Missgeschick der Tugend" entlarvt wurde, war sein Verhängnis. Er wurde schließlich erneut festgenommen.

Charenton - Lebensabend des "göttlichen Marquis"

  • Seine letzten Jahre verbrachte Donatien de Sade in der Irrenanstalt von Charenton. Er galt nicht als verrückt, weshalb er viele Freiheiten hatte. Schnell freundete er sich mit dem Abbé de Coulmier an, der die Anstalt leitete. Dieser erlaubte dem Marquis, ein eigenes Theater aufzuziehen.
  • Für selbiges hat Sade immer eine große Leidenschaft besessen. So übte er Stücke mit den "Irren" ein und spielte diese dann für Publikum von draußen. Diese betrachteten das Theater als dekadentes Vergnügen, Sade selbst war die größte Attraktion.
  • Er nahm sich in Charenton eine sehr junge Geliebte und träumte noch als 70-Jähriger Greis von seiner Freilassung. Doch unter der Herrschaft Napoleons verschärften sich seine Haftbedingungen. Bonaparte, von dessen Strenge Sie vielleicht gehört haben, verachtete den Marquis. Er ordnete an, dass dieser Mann nie wieder freigelassen werden dürfe. So blieb de Sade inhaftiert, bis er 1814 verstarb.

Sein letzter Wille beinhaltete, dass sein Körper nicht geöffnet und erforscht werden solle. Trotzdem untersuchte man Jahre später seinen Schädel. Das Ergebnis: Sade habe alle Anlagen eines rechtschaffenen Kirchenmannes besessen ...

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