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Brudermord im Altwasser: Schluss - Analyse

"Brudermord im Altwasser" ist eine Kurzgeschichte von Georg Britting, die klare Krimielemente aufweist und darum sehr spannend zu lesen ist. Sie ist zudem eine der ersten deutschen Kurzgeschichten überhaupt. Aber was hat es mit ihrem Schluss auf sich?

Ein Ruderboot spielt bei "Brudermord im Altwasser" eine wichtige Rolle.
Ein Ruderboot spielt bei "Brudermord im Altwasser" eine wichtige Rolle.

Brudermord im Altwasser - die Handlung

In Georg Brittings Kurzgeschichte "Brudermord im Altwasser" geht es um drei Brüder, die immer im Altwasser, so werden in der Geschichte brackige Nebenläufe der Donau genannt, spielen. Die Brüder sind im ähnlichen Alter und verstehen sich gut, sie gehen aber nicht gerade zimperlich miteinander um. So kommt es durchaus schon mal dazu, dass die beiden Älteren dem Jüngeren eine blutige Schramme schlagen oder Ähnliches. Es wird aber stets vereinbart, zu Hause nichts davon zu erzählen. Eines Tages finden die Brüder in den Altwassern ein Boot und beschließen, damit hinaus zu rudern. Als sie in der Mitte eines Weihers angekommen sind, wo sie Seeräuber spielen, fangen sie an, mit dem Boot zu schaukeln. Der Jüngste macht begeistert mit, doch dann beschließen die anderen, ihn zu ärgern, und schaukeln absichtlich in eine andere Richtung, sodass er ins Wasser fällt. Der Kleine kann jedoch nicht schwimmen und ertrinkt. Schweigend rudern die anderen zurück ans Ufer, laufen nach Hause und versprechen sich abermals, den Eltern nichts davon zu erzählen.

Den Schluss der Geschichte verstehen

"Brudermord im Altwasser" ist eine sehr kurze, bildreiche und drastische Geschichte. Als Schluss ist alles zu verstehen, was nach dem Tod des Bruders, also dem Höhepunkt passiert.

  • An dieser Stelle wird recht ausführlich beschrieben, wie die anderen beiden zurück nach Hause laufen und explizit nicht über das Geschehene sprechen.
  • Es findet hier ganz offensichtlich eine Verdrängung statt, die aus dem Schock der beiden Brüder rührt, denn sie haben den Jüngsten ja nicht absichtlich getötet.
  • Um mit dem Erlebten klarzukommen, spielen die beiden den Vorfall am Schluss auf eine geradezu automatisierte Art und Weise herunter, indem sie sich einfach so verhalten, wie sie es immer tun, wenn einer von ihnen dem anderen einen Streich gespielt hat.
  • So machen sie den Tod ihres Bruders zu etwas Alltäglichem und setzten dem Ganzen die Krone auf, indem sie wie immer vereinbaren, dass zu Hause nicht über die Sache gesprochen werden soll.
  • Doch im letzten Satz der Geschichte macht Britting auch klar, dass die zwei Kinder mit dieser Vorgehensweise nicht durchkommen werden. Er schreibt hier, dass das Haus die zwei verschluckt wie ein schwarzes Loch.
  • Dies ist im Vergleich zur stark poetisierten Sprache der restlichen Geschichte ein sehr direkter und drastischer Vergleich, der aber viel aussagt: Ein schwarzes Loch ist eine existenzielle Bedrohung, und eine solche hält auch die Zukunft für die beiden Jungen bereit - sei es, weil ihre Eltern die Wahrheit erfahren, oder weil ihr Gewissen einfach niemals mit dem Tod des Jüngsten fertig wird.
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