Bossa Nova - Basics auf der Gitarre lernen

Bossa-Nova-Definition: "Ordem e progresso" Bossa-Nova-Definition: "Ordem e progresso"
"Olha que coisa mais linda..." so eröffnet "Garota de Ipanema" (The Girl from Ipanema) den wohl bekanntesten Song des Bossa Nova (dt.: Neue Welle). Wohl kaum jemand sieht da nicht vor seinem inneren Auge den Zuckerhut oder den Strand von Ipanema (samt dem titelgebenden Mädchen) - also die Wahrzeichen der Stadt, die mit Bossa Nova am meisten, aber fälschlicherweise identifiziert wird: Rio de Janeiro. Umso schöner ist es, selbst diese Musik spielen und singen zu können. Hierzu sind einige Grundlagen (oder Basics) erforderlich.
Markus Köhler
27.12.2011 Markus Köhler
Was Sie benötigen
  • Gitarre
  • Grundkenntnisse im Gitarrespiel
  • Akkordtabelle
  • Metronom

Das Wesen des Bossa Nova

  • Bossa Nova (= Neue Welle) entstand im aufbrechenden Brasilien der 50er Jahre. Stellen Sie sich ein Land vor, das gerade eine zwar durchaus produktive aber rechtsnationalistische Diktatur hinter sich hat. In diesem Land wird nun mit Juscelino Kubitschek ein linker Visionär Präsident und er beschließt, mitten im Regenwald, eine neue Hauptstadt zu bauen und hierfür mit Oscar Niemeyer einen der Begründer der modernen Architektur heranzieht. Es entsteht Brasilia.
  • Stellen Sie sich vor, dieses Land sei fußballverrückt und würde mitten in dieser Aufbruchsatmosphäre mit jungen extrem talentierten Spielern Fußballweltmeister. Dann haben Sie einen Eindruck der Atmosphäre in der Bossa Nova entstand. Er war das Werk junger, bürgerlicher - hauptsächlich linker und weißer - Intellektueller, die eigene Ideen mit Einflüssen von außen zu verbinden suchten und ganz im Sinne der französischen Avantgarde (Sartre äußerte sich begeistert über das neue Brasilien) auch unter den Einfluss des zeitgenössischen Jazz gerieten.
  • Hören Sie einmal das erste Bossa Nova Stück "Chega de Saudade" in irgendeiner Interpretation (der Verfasser empfiehlt Ihnen die Interpretation von Joao Gilberto oder eine Aufnahme von Caetano Veloso). Auch ohne dass jedes Wort verstanden werden muss, malt das Stück eine Szenerie, die geprägt ist von "Tristeza", der Traurigkeit, und "Saudade", der Schwermütigkeit, der Sehnsucht. Der Protagonist ist in der Stimmung der Sehnsucht, des Verlangens nach einer geliebten Person. Lange Abstände zwischen den Noten erzeugen eine getragene, melancholische Stimmung.
  • Dann bricht die Fantasie des Protagonisten sich Bahn, die geliebte Person kehrt zurück, das Herz fließt über und so entsteht zum Ende hin eine fröhliche Tonkaskade, in der die Traurigkeit endlich besiegt ist und völlig aus der Wahrnehmung des Protagonisten verschwindet. "Chega de Saudade" heißt "nie wieder Sehnsucht."
  • Bossa Nova ist eine impressionistische, malerische Musik. Es geht nicht um Ausdruck, sondern um Eindruck. Deswegen muss Bossa Nova nicht laut gespielt werden und schon gar nicht aggressiv. Als aufmerksamer Hörer merken Sie, dass dabei etwas "schief" wird und die Schönheit und der Fluss verloren gehen. Bossa Nova heißt nicht umsonst "neue Welle" und diese Welle muss fließen.

Basics umsetzen oder "die Welle fließen lassen"

  • Hören Sie sich einige Bossa Nova Platten an, ohne an die Gitarre zu denken. Empfohlen seien hier vor allem die Platten "Chega de Saudade" und "Joao voz e violao" von Joao Gilberto, "Tom & Elis" von Antonio Carlos Jobim und Elis Regina, "Braziliana" von Luis Bonfa, aber auch gut zusammengestellte Sampler können gut in die Szene einführen. Neuere Künstler, die Sie sich merken sollten, sind insbesondere Paula Morelenbaum und Vinicius Cantuaria.
  • Der klassische Bossa Nova ist ein Viervierteltakt. Dennoch kann es sinnvoll sein, auch einmal auf die Achtel zu sehen. Versuchen Sie die Takte durchzuzählen und dort, wo der Gitarrist zupft, mit dem Finger auf die Tischplatte zu tippen. Sie werden merken, dass die Schläge der Gitarre und die Taktschläge gegeneinander verschoben sind. Indem er seinen Takt in Achtel oder sogar Sechzentel einteilt, gelingt es dem Gitarristen durch den geschickten Einsatz von Pausen, die Gitarre nicht nur als Harmonieinstrument, sondern auch als Percussioninstrument zu gebrauchen. Er ist Percussionist, wie er auch Harmoniespieler ist.
  • In einem Takt spielt der Gitarrist drei Schläge, im nächsten fünf und so weiter. Selbstverständlich kann er nicht vor jedem Takt überlegen, wie viele Schläge er darin spielen möchte. Denken Sie hier daran, dass die "Welle fließen muss". Es kommt auf das Gefühl an, auf den Instinkt. Aber um diesen richtig gebrauchen zu können, muss der Gitarrist wissen, welche Mittel ihm zur Verfügung stehen. Und dazu ist es notwendig, Taktzahlen zu kennen, zu wissen, welche Aufteilung in einem Takt möglich ist, um darauf im nächsten Takt aufzubauen - kurz: "Basics".
  • Als nächstes sollten Sie sich Noten besorgen. Achten Sie darauf, dass Sie Gitarrennoten erhalten und keine Klaviernoten. Sie dürfen sonst die Stimme für die linke Hand im Akkordbuch nachschlagen, um eine geeignete Griffkombination zu erhalten. Wenn Sie Glück haben erhalten Sie Noten, die Ihnen die benötigten Akkorde gleich als Grifftabelle liefern. Andernfalls müssen Sie in Ihrer Akkordtabelle, die Sie sich unbedingt anschaffen sollten, nachschlagen.
  • Jetzt hilft nur noch üben. Nutzen Sie für den Anfang, wenn Sie noch nicht das richtige Gefühl besitzen, am besten ein Metronom um den Takt zu halten. Ob Sie es langsam oder schnell einstellen, bleibt Ihnen und Ihrem Fortschritt überlassen. Aber wichtig ist, dass die Taktschläge fixiert sind, um die Sie Ihre Akkorde platzieren.
  • Die "Basics" beim Bossa Nova umfassen sowohl Rhythmus als auch Harmoniearbeit. Der Gesang soll nicht übergangen werden. Seien Sie sich aber erst einmal einer Sache sicher, bevor Sie die nächste Hürde nehmen wollen. Sonst verlieren Sie bei beidem viel Zeit.
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