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Baptisten-Taufe - Stellenwert und Ablauf

Seit dem Neuen Testament ist die Taufe im Christentum eine zwingend vorgeschriebene Größe der Glaubensbekennung. Der Ritus kommt der offiziellen Aufnahme in die Glaubensgemeinschaft gleich. Auch bei den Baptisten ist die Taufe eine glaubensrelevante Größe. Deren Verständnis des Rituals unterscheidet sich aber grundlegend vom römisch-katholischen.

Kinder- und Säuglingstaufe lehnen die Baptisten aus Bewusstseinsgründen ab.
Kinder- und Säuglingstaufe lehnen die Baptisten aus Bewusstseinsgründen ab.

Baptistenbewegung für mehr Glaubensfreiheit

Die Baptisten sind eine eigene, evangelisch ausgerichtete Glaubensgemeinschaft.

  • Schon die Benennung der Freikirche spiegelt den hohen Stellenwert wider, der der Taufe im baptistischen Verständnis zukommt. Es handelt sich um ein Lehnwort aus dem Griechischen. "Baptizein" bedeutet hier wörtlich übersetzt so viel wie "untertauchen".
  • Diese Namensgebung hat ihren Grund: Seit ihrem Anbeginn im 17. Jahrhundert beruft sich die baptistische Glaubensgemeinschaft auf die Werte und Vorstellungen der Täufer während der Reformationszeit. Nichtsdestotrotz dürfen die Baptisten nicht als deren direkte Nachfahren behandelt werden.
  • Die Bewegung entsteht als eine Folge des Todes von Englands berühmt-berüchtigtem Heinrich VIII., der sich zu Lebzeiten mit der Kirche überworfen hat. Sie formt sich als eine Gemeinschaft englischer Glaubensflüchtlinge und wird bedeutend vom ehemaligen Priester John Smyth beeinflusst. 
  • Im Mittelpunkt steht in der Anfangszeit der Glaubensgemeinschaft eine Loslösung von den biblischen Normen. Ein freieres Leben und ein freierer Glauben werden zu einem Ziel der Bewegung. Bis in die Moderne bleibt Glaubens- und Religionsfreiheit ein Punkt, für den sich die baptistische Gemeinschaft einsetzt.
  • Statt der blinden Huldigung des alttestamentarischen Gottes und der strengen Ausrichtung nach dessen Gesetzen verfolgt die baptistische Richtung einen offeneren Glaubensbegriff. Dem bislang untergeordneten Begriff des Heiligen Geistes räumt das Baptistentum einen höheren Stellenwert ein.
  • Zusammenhängend mit dem Grundsatz eines freien Lebens und Glaubens etabliert sich unter Smyth bald die Gläubigentaufe. Die bislang vorgeschriebene Säuglingstaufe verliert an Boden. Die Baptisten konstituieren ein eigenes Taufverständnis, das vor der Amtsperiode Heinrichs VIII. kaum vorstellbar gewesen wäre.

Wie genau haben Sie sich dieses neue Verständnis des Taufbegriffs vorzustellen?

Bewusste Glaubensbekennung - die baptistische Taufe 

Der Taufbegriff der Baptisten baut auf Bewusstsein auf.

  • Wenn ein Säugling getauft wird, dann wird er unabhängig von seinem eigenen Willen zum Mitglied einer Glaubensgemeinschaft. Weder erinnert sich das Kind später bewusst an die Aufnahme in den Glaubenskreis, noch hat es sich die Glaubensorientierung ausgesucht, von der es durch die Taufe ein Teil geworden ist.
  • Die Baptisten kritisieren dieses Vorgehen und wenden sich von der Säuglingstaufe ab. Zur Aufnahme in die Glaubensgemeinschaft setzen sie Bewusstsein voraus. Mitglied einer Religion soll nach ihrem Verständnis nur ein tatsächlich gläubiger Mensch werden. Anders sei der Wert der Glaubensfreiheit verletzt.
  • Das baptistische Taufverständnis setzt darauf aufbauend einen erwachsenen Taufanwärter voraus, der sich in vollem Bewusstsein dazu entscheidet, zum Mitglied der Glaubensrichtung zu werden. Die Erwachsenentaufe löst im baptistischen Kreis daher aus Gründen der freien Entscheidung die Säuglingstaufe ab.

Doch wie genau hat eine baptistische Erwachsenentaufe rituell abzulaufen?

Erwachsenentaufe - so wird das Ritual realisiert

Anders als die Säuglingstaufe ist die baptistische Gläubigentaufe in ihrem Ablauf relativ frei und ungebunden. Was der erwachsene Täufling beispielsweise zur Tauffeier trägt, ist ihm selbst überlassen. In der Regel werden Sie aber Täuflinge in weißem Gewand beobachten können, da die eigene Reinheit und die Demut vor Gott auf diese Weise Ausdruck finden können.

  1. Sie suchen als baptistischer Täufling zusammen mit einem Taufbegleiter - meist dem Gemeindeältesten - einen Taufspruch aus der Bibel aus. Im Zuge dessen besprechen Sie Ihre Vorstellungen des Taufrituals, denn im Baptistentum haben Sie die Freiheit, sich selbst Ausdruck zu verleihen. Sie wählen beispielsweise, ob die Taufe an einem Gewässer oder in der Kirche stattfinden soll.
  2. Die Tauffeier eröffnen Sie schließlich selbst. Wie genau das aussieht, ist nicht vorgeschrieben. Sie dürfen beispielsweise kurz beschreiben, wieso Sie sich bewusst für den Glauben entschieden haben.
  3. Ein gemeinsames Glaubensbekenntnis der Gemeinde kann auf Ihre persönliche Glaubensgeschichte folgen.
  4. Sie steigen daraufhin in das Gewässer oder das Baptisterium, während Ihr Taufbegleiter den gemeinsam auserwählten Bibelspruch als Ihren Taufspruch verliest.
  5. Nach der Verlesung werden Sie durch Ihren Begleiter einmal untergetaucht und auf den Namen des dreieinigen Gottes getauft.
  6. Anschließend dürfen Sie die nasse Kleidung in den Umkleiden wechseln. Die Gemeinde betet unterdes frei.
  7. Wenn Sie Ihre Kleidung gewechselt haben, werden Sie von Ihrem Taufbegleiter vor der Gemeinde in die Gemeinschaft aufgenommen. Meist geschieht das durch Segnen mittels Handauflegen.
  8. Anschließend an das Taufritual kann auf Ihren Wunsch eine Feier der Gemeinde stattfinden. Eine Abendmahlfeier ist beispielsweise denkbar.

Nehmen Sie als baptistischer Taufanwärter einfach Kontakt zu einem Gemeindemitglied auf und besprechen Sie mit ihm Ihre Ablaufwünsche. Je mehr Sie selbst in dem Ritual Ausdruck finden, desto konformer ist der Ablauf mit den baptistischen Werten.

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