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Backpacking in Japan

Japan, das Land der aufgehenden Sonne, bietet als Reiseziel Einblick in eine unvergleichliche Kultur. Neben der Hauptstadt Tokio umfasst der Inselstaat zahlreiche weitere spannende Städte, die sich vom hohen Norden bis in den Süden erstrecken. Einen Backpacking-Trip nach Japan wagen dennoch die wenigsten. Dabei ist Japans Infrastruktur bestens entwickelt, sodass sich das Land sehr angenehm mit Bus und Zug bereisen lässt. Ich blieb als Individualreisende von großen Touristenfluten verschont und konnte die Magie abgelegener Orte komplett alleine auf mich wirken lassen.

Das Osaka Castle ist eine von Japans berühmtesten Burgen
Das Osaka Castle ist eine von Japans berühmtesten Burgen

Japan - kein typisch asiatisches Backpackerziel

Japan ist nicht das einfachste Reiseziel in Asien, dessen sollte man sich bewusst sein. Im Gegensatz zu Thailand oder Vietnam ist Japan kein Backpacker-Hotspot. In der Konsequenz trifft man hier wenig auf junge und feierwütige Leute. Auch preislich kann Japan mit seinen süd-östlichen Nachbarn nicht mithalten. Obwohl der Yen (die japanische Währung) momentan auf einem Rekordtief steht, ist Japan preislich ungefähr auf einem Niveau mit Deutschland. Lebensmittel im Supermarkt sind teurer, das Preis-Leistungsverhältnis beim Essengehen hingegen ist besser als hierzulande. 1 € entspricht derzeit umgerechnet ca. 145 Yen (Stand: November 2014).

Backpacking in Japan - die Vor- und Nachteile

Ein Blick in die japanische Geschichte lehrt uns, dass Japan Jahrhunderte lang von der Außenwelt komplett abgeschottet war. Dies hat die Folge, dass die Japaner bis heute ein sehr verschlossenes Volk sind und nur wenig Ausländer dort leben. Obwohl in den Schulen Englisch unterrichtet wird, können die meisten Japaner kein Englisch sprechen oder trauen sich nicht, was beim Reisen ein großes Hindernis darstellt. Neben diesen Hürden hat Japan als Reiseland viele positive Seiten. Die Japaner zeigen grundsätzlich, trotz ihrer mangelnden Englischkentnisse, großes Interesse an westlicher Kultur und dementsprechend an deutschen Touristen. Gleichzeitig umfasst die Kultur sehr ausgeprägte Höflichkeitsformen, bei der Hilfsbereitschaft eine zentrale Rolle spielt.

Vorbereitungen für die Reise

Es gibt viele sagenhafte Alleinstellungsmerkmale, die Japan zu einem faszinierenden Reiseland machen. Angefangen bei der Küche, die weit mehr als Sushi umfasst, über bezaubernde Landschaften bis hin zu glitzernden Metropolen mit traditionellen Tempeln, hat Japan einiges zu bieten. Eine gute Vorbereitung hilft, um mögliche Hindernisse zu umgehen. Ich empfehle als Reiseführer die Backpacker-Bibel "Lonely Planet", da dieser oft kostengünstige Alternativen beinhaltet, was besonders in Japan hilfreich ist. Es ist sinnvoll, sich vor der Reise ein wenig Japanisch beizubringen. Der Aufwand, die Schrift zu erlernen, übersteigt den Nutzen für eine Reise definitiv. Das gesprochene Japanisch hingegen ist für Deutsche leicht zu lernen. Die Aussprache ähnelt der unseren und die Grammatik ist simpel. Einfache Höflichkeitsfloskeln sollten Sie sich deshalb in jedem Fall aneignen.

Eine mögliche Reiseroute für den ersten Besuch

Aus eigener Erfahrung ist folgende Route bei einem ersten Japan-Trip sehr empfehlenswert, da sich hier die meisten Sehenswürdigkeiten befinden und auch die Japaner am ehesten auf Touristen eingestellt sind. Viele Backpacker bleiben bei ihrer ersten Reise auf der Hauptinsel Honshu, auf der sich auch Tokio befindet. Eine klassische Reiseroute beginnt in der Metropole und Hauptstadt Tokio, die inklusive Region 37 Millionen Einwohner zählt. Als nächstes bietet es sich an, mit dem Schnellzug ("Shinkansen") nach Kyoto zu fahren. In Kyoto finden Sie das alte Japan, wie man es aus Filmen und Büchern kennt: Traditionelle  Häuser, Damen in Kimonos und Tempel soweit das Auge reicht. Besonders gut an Kyoto ist, dass die Umgebung viel zu bieten hat. Die Region nennt sich "Kansai". Im Umkreis von einer Stunde Zugfahrt erreichen Sie bequem Kobe, Osaka und andere kleinere Städte. Es gibt viele Hostels, deren Zimmer Sie über das Internet reservieren können. Buchen Sie immer zumindest die erste Nacht in einem Hostel im Voraus, auch wenn wenig los ist. Die Japaner schätzen Spontanität gar nicht und sind eher irritiert wenn ein Backpacker einfach auf der Matte steht.

Tokio - glitzernde Metropole

Tokio ist eine pulsierende Stadt, es gibt wohl kaum einen aufregenderen Platz auf Erden. Ich würde jedem ans Herz legen hier mindestens fünf Tage zu verbringen, um sowohl die Atmosphäre der Stadt, als auch die Sehenswürdigkeiten mitnehmen zu können. In Asakusa gibt es die günstigsten Hostels. Auf keinen Fall verpassen sollten Sie folgende Sehenswürdigkeiten:

  • Shibuya Crossing
  • Harajuku inklusive Yoyogi Park und Tempel
  • Abends in Shinjuku ein Bier in einer der zahlreichen Bars genießen
  • Shopping in Asakusa: Traditionelle Leckereien und handgemachte Antiquitäten
  • Asakusa Tempel
  • Tokyo Tower und Sky Tree
  • Der Blick vom Rathaus
  • Tagesausflug nach Kamakura und den dortigen Tempeln
  • Tagesausflug nach Yokohama
  • Ein Tagesausflug nach Daiba
  • Sich in den Straßen von Shibuya verlieren
  • Fischmarkt

Kyoto - die Stadt der Gegensätze

Kyoto ist eine internationale Studentenstadt, die von Gegensätzen geprägt ist. Neben traditionellen Tempeln befinden sich Nachtclubs, in denen Studenten ihr Feierabendbier genießen. Ich empfehle mindestens drei Tage, wenn möglich noch länger. Meine Highlights waren:

  • Fushimi Inari und Sesam Eis probieren
  • Geisha Spotting im Herzen Kyotos
  • Am Ufer des Flusses Kamo entlangschlendern
  • Der goldene Pavillion
  • Der silberne Tempel
  • Bamboo Grove und Gärten (1 Tag Zeit nehmen)
  • Besuch in traditionellem Teehaus

In Osaka kulinarische Highlights genießen

Nur 30 Minuten von Kyoto entfernt befindet sich Japans zweitgrößte Stadt. Ein Besuch lohnt sich alleine wegen ihrer kulinarischen Vielfalt. Hier gibt es das beste Preis-Leistungsverhältnis für Essen. Einige Gerichte müssen unbedingt probiert werden.

  • Die traditionelle japanische Nudelsuppegibt es in vielen verschiedenen Formen. Egal ob "Ramen", "Soba" oder "Udon", alle sind köstlich und der perfekte Energieschub nach einem langen Tag voller Sightseeing.
  • Ebenso der japanische Klassiker Sushi. Die gibt es in Japan an jeder Ecke, doch die Qualität und der Preis unterscheiden sich erheblich. Während es in Tokio angeblich das Beste vom Besten gibt, gibt es in Osaka mit Sicherheit das Beste zum günstigsten Preis. In Shinsaibashi, einem Stadtteil im Süden der Stadt, sollte ein Sushi- Essen nicht ausbleiben. Selbst die Sushi-Restaurants, in denen das Sushi auf einem Förderband vorbeifährt und am Ende die verspeisten Teller gezählt werden, sind qualitativ hochwertig. Für ein volles Abendessen in einem solchen "Kaiten Sushi" habe ich umgerechnet zwischen 7 und 12 € gezahlt. 
  • Die zwei Hauptsüßigkeiten in Japan sind Mochi und Soft-Eis. Mochi ist geschlagener Reis, eine Art Reiskuchen, und wird traditionell in Sesam gerollt oder mit einem Mus aus roten Bohnen gefüllt. Ich habe das beste Mochi in Teehäusern gegessen aber es gibt auch sehr gutes Mochi an Straßenständen. Soft- Eis gibt es auch in Teehäusern und auf der Straße. Macha-Geschmack, also grüner Tee Geschmack, ist der Beststeller. Lassen Sie sich nicht von der grünen Farbe abschrecken.
  • Tako Yaki ist Osakas Spezialität. Dies sind mit Tintenfischfleisch gefüllte Teigbällchen. Das Streetfood wird mit einer süßlichen Soße überzogen und kostet nicht mehr als umgerechnet 2 €.
  • Okonomi Yaki ist eine Art japansiches Omelette, das mit Weißkohl und Zutaten wie Fleisch oder Fisch in mehreren Schichten gestapelt gebraten und serviert wird.

Von Osaka aus erreichen Sie wieder Tokio in zwei Stunden mit dem Schnellzug. Ein typischer Backpacking-Trip wäre hier beendet. Wer länger als drei Wochen Zeit hat, der kann sich weitere Ziele aussuchen.

Mögliche Weiterreise

Nicht allzu weit von Kyoto entfernt liegt Hiroshima, das definitiv einen Besuch wert ist. Die traurige Geschichte der Stadt ist omnipräsent, gleichzeitig tummeln sich fröhliche Studenten zum Picknick im Peace Park. Es ist schwer, sich nicht von der Stimmung dieser Stadt fesseln zu lassen!

In der Provinz Kyushu im Süden Japans gibt es dank vieler Vulkane die meisten natürlichen heißen Quellen weltweit. Zu meinen persönlichen Highlights in Japan gehört definitiv ein Bad in einem solchen "Onsen". Nach einem anstrengenden Tag an der frischen Luft gibt es kaum etwas entspannteres. Der Norden hat für Ski-Fahrer im Winter und für Bergsteiger im Sommer landschaftlich viel zu bieten. Die Inselgruppen um Okinawa im tiefsten Süden sind nur mit dem Flugzeug oder Schiff zu erreichen und ein Paradies für Taucher und Surfer. Der Süden ist auch für Japans hochprozentigen Alkohol bekannt, der aus Reis gebrannt wird: Shoju.

Je nach Budget und Zeitumfang hat Japan also auch neben der vorgeschlagenen Route viele Optionen. Zu beachten ist, dass die Verständigung schwieriger wird, je weiterer Sie sich von Tokio und der Kansai-Region entfernen. Andererseits sind die Menschen fernab der Städte noch hilfsbereiter, sodass ich nie in eine wirklich problematische Situation gekommen bin. Auch Hostels gibt es überall in Japan, sie sind immer sehr sauber und gepflegt.

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