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Autarke Häuser aus Müll gebaut - Informatives über Earthships

Seit den 1970er Jahren baut Mike Reynolds - ein amerikanischer Architekt - nun schon seine Earthships: Häuser, aus Recycling-Materialien - für jeden erschwinglich und mit autarker Energie- und Wasserversorgung. Inzwischen stehen weltweit mehr als 3000 Gebäude, die - zumindest teilweise - nach dem Prinzip der Earthships gebaut wurden: Eine innovative nachhaltige Architektur, die immer mehr begeisterte Anhänger findet.

Earthships sind nachhaltig, aus Müll gebaute Häuser - energieautark und von hoher Ästhetik.
Earthships sind nachhaltig, aus Müll gebaute Häuser - energieautark und von hoher Ästhetik. © W._Broemme / Pixelio

Earthships - das Grundkonzept

Das Konzept der Earthships ist ebenso genial wie einfach: Mike Reynolds bringt es mit wenigen Worten auf den Punkt: "Stellt Euch ein Haus vor, das sich selbst heizt, sein eigenes Wasser liefert, sein eigenes Essen produziert. Stellt Euch vor, es braucht keine teure Technologie, recycled seinen eigenen Abfall, hat seine eigene Energiequelle. Und jetzt stellt Euch noch vor, es kann überall und von jedem gebaut werden, aus den Dingen, die unsere Gesellschaft wegwirft."

Lage und Baumaterialien

  • Bei seinen Experimenten stieß Mike Reynolds darauf, dass alte, mit Erde gefüllte Autoreifen hochstabil und als Wärmespeicher erster Güte einzusetzen sind. Wenn sie nicht dem UV-Licht ausgesetzt werden, verrotten sie praktisch nicht. Die Zwischenräume der versetzt aufeinandergestapelten Reifen werden mit leeren Getränkedosen und Flaschen und Erde ausgefüllt und dann wird der Wall aus Reifen, leeren Flaschen und Dosen mit verdichteter Erde abgedeckt. Durch dieses Verfahren entsteht ein Wärmespeicher für das Haus, der auch bei kalten Temperaturen eine Heizung meist überflüssig macht. Ausgeklügelte Belüftungssysteme sorgen auf einfache Weise für ein gesundes ausgeglichenes Klima. Für extrem kalte oder heiße Regionen kann gegebenenfalls zur Unterstützung eine Heizung oder eine Kühlanlage integriert werden. 
  • Im Osten, Norden und Westen ist das Earthship von diesem Thermalwall umgeben - die südliche Front hingegen ist fast vollständig verglast. Auf diese Weise flutet das Licht auch bei niedrigem Sonnenstand die Räume und die Wärme der Sonne kann genutzt werden. Eine Hanglage in südlicher Richtung ist optimal für den Bau eines Earthships.
  • Gleich hinter der südlichen Glasfront befindet sich der Wintergarten des Hauses, der als Obst- und Gemüsegarten dient und gleichzeitig ein Wärmepuffer ist. Zudem tragen die Pflanzen zu einem angenehmen und sauerstoffreichen Raumklima bei und versorgen die Bewohner mit Nahrhaftem.

Autarke Wasser- und Energieversorgung

  • Selbst in regenarmen Regionen lässt sich durch die hocheffizienten Filtermethoden eine autarke Wasserversorgung im Earthship verwirklichen. Das Regenwasser wird aufgefangen und durch ein Filtersystem geleitet. Dann kann es als Brauchwasser zum Abwaschen, Duschen und Waschen verwendet werden. Natürlich dürfen in einem Earthship keine Chemikalien eingesetzt werden, aber es gibt mittlerweile ausreichend natürliche Reinigungsoptionen für den Haushalt: zum Beispiel Waschnüsse zum Waschen. Das im Haushalt genutzte Wasser wird zur Bewässerung der Pflanzen in die Beete geleitet. Hier versickert das Wasser, wird gesammelt und für die Toilettenspülung genutzt. In einer - in der Außenanlage gelegenen - Biokläranlage werden die Abwässer wieder geklärt, das gereinigte Wasser durchfließt weitere Pflanzenbeete zur Filterung und wird dem Wasserkreislauf wieder zugeführt. Das Trinkwasser wird gesondert gefiltert und aufbereitet. 
  • Wenn Sie beim Wort Brutalismus an agressives Verhalten denken, dann liegen Sie falsch. …

  • Die für den Haushalt erforderliche Energie wird durch Sonnen- und Windenergie gewonnen und in Batteriepacks gespeichert. Spezielle "Power Organizing Module" (POM) übernehmen die Umwandlung der Spannung für die Elektrogeräte. Die Handhabung dieser serienmäßig hergestellten Geräte ist inzwischen ganz einfach. Die so erzeugte Energiemenge ist für einen normalen Haushalt inklusive Computer, Waschmaschine und so weiter absolut ausreichend. 

Die spezielle Ästhetik der Earthships

  • Die Gebäude passen auch optisch in keine Schublade: Durch den an drei Seiten aufgeschichteten Wall wirkt ein Earthship archaisch - die klaren Linien der südlichen Glasfront muten hingegen fast futuristisch an. Durch die im Licht funkelnden eingelassenen farbigen Flaschen entsteht ein Bild, das, ebenso wie die vielfach ausgeführten ovalen Durchgänge und Türmchen, an maurische Bauten erinnert.
  • Nicht nur die äußeren Konturen des Gebäudes sind weich und fließend - das Innere des Hauses hat keine tragenden Wände und zeichnet sich meist durch fließende Übergänge der verschiedenen Bereiche aus. Allerdings ist auch hier nichts normiert, eine unübersehbare Vielfalt von Raumlösungen ist möglich.
  • Mike Reynolds Earthships sind handgemachte Unikate - jedes einzelne Haus ist ein ästhetisches Erlebnis - kaum zu glauben, dass die Gebäude aus Materialien gebaut sind, die sonst auf dem Müll landen würden.

Biotecture und Bürokratie

  • Auch nach so langer Zeit sind bedauerlicherweise die bürokratischen Hürden für den Bau eines Eathships hierzulande - und generell in Europa - noch sehr hoch, denn die unkonventionelle Bauweise und die Absage an die kommunale Energie- und Wasserversorgung entspricht nicht den gesetzlichen Vorgaben für das Bauwesen.
  • In den USA wurden die Bauten als illegal erklärt und Reynolds musste mehrere Prozesse führen, die damit endeten, dass er seine Zulassung als Architekt verlor und seine erste Earthship Community von Staats wegen geschlossen wurde. Aufgeweicht wurde die Verweigerung der Behörden erst, als er in Katastrophengebieten - zum Beispiel in Malawi, Indien und Haiti - den betroffenen Menschen zeigte, wie sie mit ganz einfachen Dingen und sehr geringem finanziellem Einsatz Earthships errichten können. Inzwischen steht in New Mexico in Taos eine "Earthship Community". Sie können dort viel über die Biotecture Bauweise erfahren und, wenn Sie wünschen, in einem Earthship übernachten. 
  • Auch in Europa wurden von hartnäckigen Bauherren, die sich nicht von den bürokratischen Hürden abschrecken ließen, bereits eine Anzahl Earthships errichtet: beispielsweise in Spanien, Portugal, Belgien, Schweden, England, Frankreich, Estland und den Niederlanden. 
  • Das Baukonzept ist nicht nur hinsichtlich der steigenden Energiekosten interessant. Ein Earthship ist nachhaltig in höchstem Maße, Ressourcen sparend und faszinierend einfach: Eine neue Architektur - individuell, bodenständig und ohne Einbußen an Komfort. 

Ein Earthship selbst bauen

  • Sie brauchen keine besonderen Vorkenntnisse für den Bau eines Earthships: Das von Mike Reynolds veröffentlichte Buch (Paperback) "Earthship: How to build Your own", ist auch in Deutschland verfügbar - leider nur in Englisch.
  • Mike Reynolds bietet in Taos in seiner "Earthship Academy" Seminare an. Inzwischen ist Biotecture Architektur so bekannt, dass er weltweit Projekte plant und realisiert. Viele weitere interessante Infos finden Sie unter anderem auf YouTube unter dem Stichwort "Earthship". 
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