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Antithetisch - so verstehen Sie es

Die Antithese ist ein Begriff aus der literaturwissenschaftlichen Stilmittellehre. Zwei Begriffe oder Sachverhalte werden einander antithetisch gegenübergestellt. Was aber bedeutet antithetisch und welches Ziel haben entsprechende Gegenüberstellungen?

Maus und Elefant stehen in Antithetik.
Maus und Elefant stehen in Antithetik.

Antithetische Gegenüberstellungen

  • Antithetische Wendungen stellen zwei inhaltliche Gegensätze einander gegenüber, ohne ihren Widerspruch wieder aufzuheben. Es handelt sich dabei nicht um inhaltliche Ausschlüsse, sondern viel mehr um assoziativ gegensätzliche Sachverhalte, deren Widerspruch theoretisch in Frage gestellt werden kann. Ein Ausdruck wie "kleiner Riese" ist demnach weniger Antithese, als Oxymoron.
  • Oxymoron und Paradoxon können jedoch durchaus als der Antithese verwandte Stilmittel bezeichnet werden. Im Oxymoron liegt ein inhaltlicher Ausschluss vor, wobei zwei Gegensätze direkt miteinander verknüpft werden. Bei einem Paradoxon muss es sich nicht um einen tatsächlichen Ausschluss handeln, allein die oberflächliche Logik lässt einen inhaltlichen Ausschluss vermuten.
  • Das Stilmittel der Antithese kann demgegenüber nun im Sinne einer Gegenüberstellung gegensätzlicher Wörter verwendet werden, jedoch können auch ganze Sätze oder Abhandlungen antithetisch, wenn auch nicht zwingend widersprüchlich, zueinander gebraucht werden.
  • Gut und Böse zum Beispiel bilden miteinander eine Antithese, jedoch sind genauso Sätze wie: "Er war mutig, sie war feige." als antithetische Wendungen zu bezeichnen. 
  • Ziel von antithetischen Gegenüberstellungen kann die Wiedergabe von Zerrissenheit, Hin- und Hergerissenheit, Verlorenheit oder Verwirrung  sein.  Eine einzige antithetische Wendung macht einen Text nun noch nicht zum Ausdrucksgeber für eines der obigen Gefühle. Um effektiv Zerissenheit oder Verwirrung darzustellen ist vielmehr eine umfassende antithetische Texttendenz notwendig.

Antithetik als Epochenmerkmal

  • Mitunter kann extreme Antithetik innerhalb eines gegebenen Textes Ihnen bei der Textanalyse zur epochialen Einordnung des gegebenen Werkes dienen. Vor allem für eine Epoche der Literatur ist die Antithetik unverzichtbar. Es handelt sich dabei um die Epoche des Barock. 
  • Sämtliche Werke des Barock standen unter dem Motto der Vanitas, damit der Vergänglichkeit. Der 30-jährige Krieg hatte seine Auswirkungen auf das Denken und die Sehnsüchte der Menschen. Man wurde sich der eigenen Vergänglichkeit bewusst und fürchtete sich vor dem Tod, war demgegenüber jedoch umso gieriger auf das Leben.
  • Das lateinische "Carpe Diem", zu Deutsch "Nutze den Tag" galt als zentrales Motiv der Barockdichtung, genauso jedoch "Memento Mori", zu Deutsch: "Gedenke den Toten". Allein in jenen beiden Hauptmotiven manifestierte sich der extreme und epochentypische Gegensatz zwischen Todesbangen und Lebenslust.  
  • Die Antithetik des Barock sollte demnach der Hin- und Hergerissenheit sowie der Mittelstellung des Menschen zwischen Himmel und Erde Ausdruck verleihen. Als typische Gegenüberstellungen gelten neben der von Diesseits und Jenseits die von Schein und Sein, Tugend und Wolllust, sowie Erotik und Askese. 
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