Anders schreiben - so geht's kreativ

Anders Schreiben bedeutet Individualität leben. Anders Schreiben bedeutet Individualität leben.
Anders zu schreiben als andere Autoren, sich kreativ vom Mainstream abzuheben, können Sie vor allem dadurch umsetzen, dass Sie aufmerksam Ihrer Art wahrzunehmen, zu denken und zu sprechen folgen. Denn jeder Mensch nutzt und versteht Sprache individuell verschieden und somit ist es naheliegend, sich auch beim Verfassen von Texten an den eigenen (Sprach-) Gewohnheiten zu orientieren.
Sibylle Braun
02.02.2012 Sibylle Braun

Anders schreiben - was man darunter versteht

Viele Autoren träumen davon, durch die Einzigartigkeit der eigenen Texte aufzufallen und einen Bestseller zu verfassen. Anders zu schreiben als andere, bedeutet immer auch, sich Gedanken über den eigenen Schreibstil zu machen - und darüber, was Sie mit Ihren Texten erreichen wollen. Hier einige Anregungen, wie Sie sich auf den Weg zu Ihrer ganz eigenen Sprache begeben können.

  • Überlegen Sie in Ruhe, welche Werke welcher Autoren Ihnen im Laufe der letzten beiden Jahre besonders gut gefallen haben. Sofern Sie sich noch daran erinnern, schreiben Sie drei kommentierende Sätze dazu auf. Diese können sowohl Gattung, Genre und Inhalt als auch Sprache und Stil betreffen. Gibt es zwischen den Büchern Gemeinsamkeiten oder Unterschiede?
  • Hat die eine oder andere Lektüre in Ihnen den Wunsch geweckt, so schreiben zu wollen wie dieser Autor? Wenn ja, nehmen Sie sich das betreffende Buch noch einmal vor und blättern nach einer Stelle, einem Absatz, den Sie als besonders inspirierend empfinden. Schreiben Sie die Zeilen ab, sie können Ihnen später als Grundlage für Schreibübungen dienen. Durch den Abgleich mit dem Schaffen anderer werden Sie vermutlich bald spüren, was Sie selbst wollen, in welche Richtung Ihre Kreativität sich entwickeln möchte.
  • Machen Sie eine Liste literarischer Formen, die Sie mögen, bspw. Kurzgeschichten, Romane, Gedichte. Welche davon weckt spontan in Ihnen Lust, mit dem Schreiben zu beginnen? Was daran finden Sie besonders anregend und interessant? Orientieren Sie sich dabei möglichst nicht daran, was Sie über Veröffentlichungsmöglichkeiten denken. Forschungen zeigen, dass künstlerische Kreativität nur dauerhaft gedeihen kann, wenn ihr Ziel in ihr selbst liegt und nicht von äußerem Druck abhängig ist.
  • Prüfen Sie, ob Sie sich in der Vergangenheit möglicherweise selbst unter Druck gesetzt haben, weil Sie ein literarisches Ziel erreichen wollten, das nicht wirklich oder nur zum Teil Ihr eigenes ist. Haben Sie sich von Schreiblehrern beeinflussen lassen, die Ihnen vorgaben, „wie man schreibt“ und dadurch das Vertrauen in Ihr kreatives Anderssein verloren? Suchen Sie Berichte über die Schreibgewohnheiten und -schwierigkeiten Ihrer Lieblingsautoren. Das Erfolgsgeheimnis vieler berühmt gewordener Schriftsteller beruht darauf, sich selbst gerecht zu werden und sich nicht verbiegen zu lassen. 

Kreative Übungen, die den eigenen Stil fördern können

Falls Sie sich mit den oben genannten Anregungen beschäftigt haben, werden Sie vermutlich ein Stück näher an Ihren eigenen Stil herangerückt sein. Verlassen Sie sich ganz auf Ihr Gefühl und probieren Sie, wenn Sie Lust haben, die ein oder andere der folgenden Übungen aus, welche die individuelle Andersartigkeit Ihres Schreibens unterstützen können.

  • Wenn Sie Lieblingsstellen aus Ihren Lieblingsbüchern herausgeschrieben haben, nehmen Sie sich einen Satz oder mehrere Sätze daraus vor und nutzen sie als Ausgangspunkt für einen Text, den Sie ganz spontan daraus entwickeln. Schreiben Sie den ausgewählten Auszug unbefangen weiter und halten sich nicht mit Korrekturen auf. Lassen Sie den Text dann einen Tag liegen, lesen ihn und überarbeiten ihn gegebenenfalls. Kommentieren Sie Ihr Schreiberlebnis anschließend mit einem Satz. Heben Sie dabei das Besondere hervor.
  • Nehmen Sie einen Gedichtband und schreiben eine Zeile heraus, die Sie anspricht. Bilden Sie um diesen Satz ein Cluster, d. h., schreiben Sie alle Wörter um ihn herum, die spontan in Ihnen aufsteigen. Denken Sie nicht, benutzen Sie Ihre Hand als Werkzeug, um Ihre inneren Wahrnehmungen festzuhalten. Sobald Sie den Impuls spüren, mit dem Schreiben beginnen zu wollen, geben Sie ihm nach. Denken Sie nicht über Gestaltung und Inhalt nach, lassen Sie sich von Ihren inneren Bildern überraschen und leiten.
  • Lesen Sie später den Text durch und achten einmal darauf, ob und welche Sinneswahrnehmungen im Vordergrund stehen. Fast jeder Mensch nutzt bevorzugt einen Sinneskanal, um Eindrücke zu verarbeiten. Dies drückt sich oftmals auch in der Wortwahl aus. So kann man seinen Pessimismus bspw. durch „keinen Ausweg sehen“ (visuell orientiert), „nichts mehr davon hören wollen“ (auditiv orientiert) oder „es leid sein“ (kinästhetisch orientiert) ausdrücken. Ihre Orientierung bewusst zu nutzen, bedeutet auch, einen vermutlich sehr reichen inneren Wortschatz anzuzapfen. 
  • Gehen Sie insgesamt wachsam durch die Welt. Offenheit für neue Wahrnehmungen schärft Ihren Blick und erweitert Ihre Ausdruckmöglichkeit. Anders schreiben bedeutet auch anders wahrnehmen. Üben Sie immer wieder einmal, bevorzugt einen Sinneskanal zu nutzen, also auf dem Weg zum Einkaufen bspw. besonders darauf zu achten, welche Gefühle das, was Sie erleben, in Ihnen hervorruft, oder sich einmal auf die visuellen Eindrücke zu konzentrieren. Vermutlich werden Sie auf diese Weise, auch auf vertrauten Wegen, vieles neu entdecken. Nutzen Sie dieses Erleben für Notizen und als Inspiration für Ihre Texte.
Diese Anleitung
Leser-Tipps Ihren Tipp zur Anleitung schreiben

1400 Zeichen verbleibend.