Alle Kategorien
Suche

Allgemeine Systemtheorie - so verstehen Sie Niklas Luhmann

Niklas Luhmann gilt als einer der großen deutschen Denker des 20. Jahrhunderts. Einige seiner Schriften zählen mittlerweile zur Standardliteratur einiger Zweige der Geisteswissenschaften. Schwierig allein ist für Studierende oft schon der Zugang zum Werk des Soziologen, der sich die Entwicklung einer eigenen Variante einer allgemeinen Systemtheorie als Gesellschaftstheorie zur Aufgabe gemacht hatte.

Legendär sind Niklas Luhmanns Zettelkästen.
Legendär sind Niklas Luhmanns Zettelkästen.

Was meint Systemtheorie bei Luhmann? - Allgemeine Anhaltspunkte

  • Die allgemeine Systemtheorie, die sich aus verschiedenen Disziplinen speist, beispielsweise der Kybernetik und der Mathematik, untersucht, wie der Name schon sagt, hauptgegenständlich Systeme.
  • Dieses Erkenntnismodell versucht, komplexe Phänomene als systematische Zusammenhänge mit eigenen Regeln und Grenzen zu untersuchen.
  • Mit einem systemtheoretischen Ansatz nach Luhmann geht es vor der Untersuchung eines Systems immer darum, eine Leitunterscheidung zu treffen, die zwischen dem System und seiner Umwelt unterscheidet. Daran, wie genau diese Unterscheidung ausfällt, bemisst sich der Erkenntnisgewinn. Problematisch ist der Ansatz vor allem dort, wo es um nicht-systematische Zusammenhänge geht.
  • Luhmann hat über Jahrzehnte mit unterschiedlichem Erfolg versucht, seine Methodik zu verallgemeinern und auf ganz unterschiedliche Phänomene anzuwenden, darunter das Recht, die Wirtschaft, die Kunst, die Liebe und die Medien.
  • Luhmann geht von sogenannten „autopoietischen“ Systemen aus. Dies sind Systeme, die sich nach eigenen Regeln immer wieder selbst reproduzieren. In Bezug auf die Gesellschaft geht er davon aus, dass diese sich in Funktionssysteme ausdifferenziert hat, die hinsichtlich ihrer Kommunikation vergleichbar sind.
  • Wenn Ihnen der Einstieg in Luhmanns Theorie über eines der Hauptwerke zu schwierig erscheint, empfiehlt sich einführende Literatur, beispielsweise von Dirk Baecker, einem Schüler Luhmanns.

Massenmedien als System - Luhmann in der Praxis

  • Eines von Niklas Luhmanns einflussreichsten Werke nennt sich "Die Realität der Massenmedien". Angewendet auf das System der Medien erscheint Luhmanns Ansatz, vor allem die Kommunikation von Systemen zu untersuchen, besonders überzeugend. Das Werk gehört nicht zufällig zur Standardliteratur in den Medienwissenschaften.
  • Als alternative Differenz zur Unterscheidung System/Umwelt bietet Luhmann vor allem in seinem Spätwerk die Unterscheidung Form/Medium an. Luhmanns Formbegriff orientiert sich am Formkalkül des Mathematikers George Spencer Brown, den „Laws of Form“. Danach wird der Formbegriff nicht mittels eines Gegenbegriffs wie "Inhalt" erzeugt, sondern selbstreferenziell begründet.
  • Eine der Kernthesen Luhmanns aus seinem Werk "Die Realität der Massenmedien" besagt, dass wir unser gesamtes Wissen aus den Massenmedien beziehen und eben deshalb auch auf diese angewiesen sind. Dies genau ist ein Ausdruck einer der Kernthesen seiner Systemtheorie, dass sich die Gesellschaft in sogenannte Funktionssysteme ausdifferenziert habe.
Teilen: