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Alles unter Kontrolle durch emotionale Intelligenz

Dass überdurchschnittliche Genies in sozialen Situationen oft unterdurchschnittliche Anpassungs- und Empathiefähigkeit zeigen, ist mittlerweile eine erwiesene Tatsache. Radikale Vertreter jener Theorie gehen davon aus, dass überdurchschnittliche akademische Intelligenz mit unterdurchschnittlicher emotionaler Intelligenz vernetzt ist. Intelligent ist also nicht gleich intelligent. Wie hoch ist beispielsweise Ihr emotionaler Intellekt?

Logisches Problemlösen ist längst nicht die einzige Art der Intelligenz.
Logisches Problemlösen ist längst nicht die einzige Art der Intelligenz.

Emotionale Intelligenz und beruflicher Erfolg

Der Ausdruck emotionale Intelligenz geht auf Salovey und Mayer zurück und soll die emotionale Auffassungsgabe und Interaktionsfähigkeit eines Individuums in sozialen Situationen beschreiben.

  • Eine jede Sozialsituation erfordert die Interpretation und das Miteinbeziehen von Gefühlen. So werden die Emotionen des Gegenübers im besten Falle korrekt ausgelegt, wobei die eigenen auf möglichst verständliche Weise weitervermittelt werden.
  • Eigene Emotionen müssen für eine erfolgreiche soziale Interaktion zunächst also bemerkt, schließlich vermittelt und gegebenenfalls an die Situation angepasst werden. Die Gefühle anderer werden im selben Zuge wahrgenommen, nachgefühlt und in die Fortführung der Interaktion mit einbezogen.
  • Jahrzehntelang wurde angenommen, dass akademische Intelligenz über den beruflichen Erfolg einer Person bestimmt. Seit dem späten 20. Jahrhundert geht man dagegen von einer deutlich komplexeren Natur des Erfolges aus.
  • So nimmt man an, ein akademisch unterdurchschnittlich intelligenter Mensch könne zu beruflichem Erfolg gelangen, solange er über einen hohen Grad an emotionaler Intelligenz verfüge.
  • Eine Person, die akademisch überdurchschnittlich intelligent sei, würde bei emotional unterdurchschnittlicher Intelligenz jedoch kaum zu vergleichbarem Erfolg gelangen.

Es bleibt anzunehmen, dass Ihr Erfahrungsraum jene These bestätigt. Menschen, die "gut mit anderen Menschen können", werden in einer Firmengemeinschaft leichter Führungspositionen für sich beanspruchen als solche, die sich in sozialen Situationen unwohl fühlen. 

Emotionen verstehen und kontrollieren

Wer über soziale Intelligenz verfügt, kommt an beruflichen Erfolg. So deutlich sich jene These auch aus dem Unternehmensalltag herauskristallisiert, stellt sich doch die Frage, inwieweit Sie jenes Faktum für sich nutzen können.

  • Tatsächlich bilden Empathie und Affektkontrolle hier die Schlagwörter. Wer seine Emotionen kontrollieren kann, wird im Berufsalltag nicht negativ auffallen. Doch Affektkontrolle verlangt zunächst nach Affektbewusstsein.
  • Nur wer sich kennt, wird die eigenen Emotionen erkennen und beeinflussen können. Kreatives Schreiben kann helfen, die eigene Person und Gefühlswelt besser einzuschätzen. Meditative Übungen wiederum helfen bei der Affektkontrolle. 
  • Um Affektkontrolle nun erfolgsversprechend einzusetzen, muss das Individuum genauso in der Lage sein, Situationen einzuschätzen. Wer besonders häufig in sozialen Situationen verkehrt, wird umso besser beurteilen können, welche Emotion wann angemessen ist.
  • Anders als Affektbewusstsein sollte Empathiefähigkeit kaum erlernbar sein. Können Sie also nicht das Geringste tun, um Ihre eigene Empathie zu steigern? Doch, Sie können. Sich auf andere einzulassen, sich anderen Sichtweisen zu öffnen und die eigene Distanziertheit aufzugeben, kann helfen.

Schlussendlich lebt emotional intelligente Interaktion so vor allem von zwei Dingen: Aufmerksamkeit und Bewusstsein.

Multiple Intelligenzen

Zwar wird soziale Intelligenz Ihnen im Beruf mit Sicherheit weiterhelfen, nach Gardners Theorie der multiplen Intelligenzen aber handelt es sich dabei längst nicht um eine von zwei erfolgsentscheidenden Arten des Intellekts. 

  • Soziale Intelligenz im obigen Sinne beschreibt Gardner als inter- und intrapersonale Intelligenz. So könne ein interpersonal intelligenter Mensch andere verstehen, deren Gefühle deuten, für sich nutzen oder zumindest in die Situation mit einbeziehen.
  • Intrapersonal intelligente Menschen wären sich dem gegenüber ihrer eigenen Gefühle bewusst und seien in der Lage, jene zu erkennen, sie zu vermitteln und zu kontrollieren.
  • Akademisch intelligente Menschen dagegen seien naturalistisch intelligent oder mathematisch-logisch intelligent. Führt Gardner für erstere Personen wie Newton an, beschreibt er die mathematisch-logische Intelligenz als Fähigkeit, Probleme über logisches Denken zu lösen.
  • Neben sozialem und akademischem Intellekt erkennt Gardner eine künstlerische Form der Intelligenz. So könnten beispielsweise rhythmisch-musikalische und sprachlich-linguistische Fähigkeiten als künstlerischer Intellekt aufgefasst werden, wobei letztere Form ferner darüber bestimmt, ob ein Individuum seine Wünsche in einer kommunikativen Situation realisieren kann.
  • Bildlich-räumliche Intelligenz, wie sie von Piloten oder Chirurgen gefordert sei, wäre weiter von körperlich-kinästhetischer Intelligenz zu unterscheiden. Letztere entscheide über das Körperbewusstsein eines Menschen, wobei nur eine körperbewusste Person den Körper zum Lösen von Problemen einsetzen könne. 

Festzustehen scheint im Sinne Gardners vor allem eins: Der durchschnittliche Intelligenztest sagt kaum etwas über die tatsächliche Intelligenz eines Menschen aus. Wollen Sie allumgreifend intelligenter werden, so war das Lesen dieses Artikels ein entscheidender Schritt, denn Ihr Bewusstsein für die verschiedenen Arten der Intelligenz sollte nun zumindest gestiegen sein und nichts ist intelligenzhemmender als Ignoranz. 

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