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Alles über Sportsoldaten

Ein Sportsoldat ist kein Soldat im herkömmlichen Sinn. Es handelt sich vielmehr um ein Förderprogramm, bei dem die Bundeswehr Arbeitgeber ist. Diese sorgt für den Lebensunterhalt der Teilnehmer und stellt sie weitgehend von allen Pflichten, die nichts mit dem Sport zu tun haben, frei.

Als Sportsoldat sind Sie mehr Sportler als Soldat.
Als Sportsoldat sind Sie mehr Sportler als Soldat.

Alltag des Sportsoldaten

Die Sport-Fördergruppen der Bundeswehr (SportFGrpBw) dienen der Unterstützung der Sportler. Sie ermöglichen Ihnen ein Training ohne finanzielle Sorgen. Dabei sind Sie in erster Linie Sportler. Die Bundeswehr fördert derzeit 744 Sportler und beschäftigt 50 Trainer, die als Sportsoldaten Mitglied der Bundeswehr sind. Ähnliche Programme gibt es auch bei der Bundespolizei.

  • In den ersten zwei Monaten absolvieren Sie eine militärische Grundausbildung an der Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr (SFJg/StDstBw) in Hannover. Sie leben in der Kaserne und werden als Feldjäger oder Mitarbeiter des Stabes ausgebildet. Die Ausbildung umfasst militärische Grundregeln und allgemeinen Wehrsport. In dieser Zeit können Sie nicht an Wettkämpfen teilnehmen. Sie können den Lehrgang auch nicht für Ihr Training unterbrechen.
  • Nach dem Grundwehrdienst kommen Sie zu der Einheit, die Ihre sportliche Disziplin fördert. Die Standorte der Einheiten (SportFGrpBw) liegen im Einzugsbereich von Olympiastützpunkten (OSP) oder Leistungszentren. Sie trainieren in der Regel ganz normal in diesen Einrichtungen. Etwa siebzig Prozent Ihrer Zeit dienen dem Training und der Förderung Ihrer sportlichen Karriere. Der Tagesablauf ist mit dem Sport verknüpft. Es kommt darauf an, ob Sie trainieren oder ob Wettkämpfe anstehen.
  • Die restliche Zeit dient der Förderung Ihrer nicht sportlichen Karriere. Diese orientiert sich unter anderem an Ihren Zielen. Sie können sich zum Beispiel als Feldwebel im Truppendienst ausbilden lassen oder ein Studium absolvieren. Ziel der Bundeswehr ist, dass Sie nach dem Ende Ihrer Sportlerkarriere als Soldat oder im zivilen Leben arbeiten können. Diese Lehrgänge finden in der Regel nicht an Trainingstagen statt und meist nicht in den Einheiten, sondern an Schulen der Bundeswehr.
  • Im Mittelpunkt steht Ihre Karriere als Sportler, lediglich in Zeiten, die nicht für das Training nötig sind, müssen Sie an Lehrgängen teilnehmen. Dies gilt so lange, wie eine sportfachliche Befürwortung des Spitzenverbandes und des DOSB vorliegt. Insgesamt haben Sie kaum Möglichkeiten Ihre Zeit frei zu planen. Wenn Sie nicht trainieren, müssen Sie sich nach den Terminen der Bundeswehr richten.
  • Wie militärisch Ihr Alltag außerhalb der Trainingszeiten ist, liegt zum Teil in Ihrer Hand. Wenn Sie sich für eine militärische Karriere entscheiden, hat er zum Teil Ähnlichkeit mit den Tagesabläufen anderer Soldaten. 

Beispiele für den Verlauf  einer Sportlerkarriere

Der Alltag als Sportsoldat hängt von der Sportart ab, die Sie betreiben und von Ihren sonstigen beruflichen Zielen.

  • Detlef Uhlemann war als Leichtathlet in der Sportförderkompanie in Köln-Wahn. Er hat alle militärischen Lehrgänge absolviert, um Berufssoldat zu werden. Als er die sportliche Karriere beendete, konzentrierte er sich auf die militärische Karriere und wurde Offizier. Wenn Uhlemann nicht trainierte, besuchte er militärische Fortbildungsseminare. Der Unterricht umfasst Verhaltensrichtlinien, Strategien und Menschenführung.
  • Die meisten Sportsoldaten, wie Stabsfeldwebel Georg Hackl (Rodelweltmeister) legen die  Karriere weniger militärisch an. Ihr Alltag besteht neben dem Training nur aus wenigen Kursen. Hackl hat zum Beispiel lediglich Kurse besucht, um Stabsfeldwebel zu werden. Erst nach dem Ausscheiden bei der Bundeswehr seine Ausbildung zum Diplom-Trainer an der Kölner Trainerakademie begonnen und ist heute Bundestrainer. 

Ablauf der Förderung

Die Bundeswehr hat mit der sportlichen Seite nichts zu tun. Sie ist eher als ein Arbeitgeber zu sehen, der Sie entlohnt, obwohl Sie nicht für ihn arbeiten, sondern trainieren.

  1. Die Sportförderung betrifft in erster Linie im DOSB (Deutscher olympischer Sportbund) organisierte Sportfach-/Spitzenverbände. Sie müssen in einem der Spitzenkader vertreten sein. Für olympische Disziplinen ist eine Zugehörigkeit zum Top-Team-Kader des DOSB oder in einem der Spitzenverbände für Olympische Spiele nötig. Außerdem müssen Sie dem Bundeskader A, B, C oder D der deutschen Nationalmannschaften angehören. Bei nichtolympischen Spitzenverbänden oder Sportarten müssen Sie zum Bundeskader A, B oder C gehören.
  2. Sofern Sie ein guter Sportler sind und Aussichten auf internationale Siege haben, beantragt Ihr zuständiger Verband die Aufnahme als Sportsoldat beim DOSB. Dieser begutachtet alle Vorschläge und schlägt Sie dem Kommando Streitkräftebasis (KdoSKB) vor. Das Referat Sport/Spitzensport des DOSB entscheidet zusammen mit dem Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersMBw) ob Sie aufgenommen werden. Sie können sich nicht selbst bewerben.
  3. Sofern Sie für die Förderung geeignet sind, werden Sie als freiwillig Wehrdienstleistender (FWDL) für 12 Monate eingestellt. Sie bekommen den üblichen Wehrsold eines Soldaten. Dieser beträgt 2014 in den ersten drei Monaten 777,30 Euro und steigt auf 800,40 Euro. Ab dem siebten Monat bekommen Sie 1003,50 Euro.
  4. Sofern Sie militärische Lehrgänge bestehen und weiter als förderwürdig gelten, steht Ihnen der Weg als Soldat auf Zeit offen. Ihr Einkommen hängt von Dienstgrad, dem Familienstand und verschiedenen weiteren Faktoren ab. Als lediger Hauptgefreiter können Sie mit etwas mehr als 2.000 Euro rechnen.
  5. Sofern Ihre sportlichen Leistungen während der Verpflichtungszeit nachlassen, bleiben Sie Soldat. Die Bundeswehr setzt Sie als Feldjäger für Ordnungsaufgaben ein oder im Stab, also der Verwaltung.

Typische Fragen für eine Ausbildung als Sportsoldat - schnell beantwortet

  • Fördert die Sportförderung nur bestimmte Disziplinen? Es hängt alleine vom Verband und vom DOSB ab, welche Sportarten gefördert werden. Die geförderten Sportarten decken ein weites Feld ab. Derzeit fördert die Bundeswehr zum Beispiel Rodeln, Reiten, Hockey und nahezu alle olympischen Disziplinen. Bei den nichtolympischen Disziplinen sind auch ganz ungewöhnliche Sportarten möglich. Einige Sportsoldaten sind Inline-Skater, Schachspieler oder Minigolfspieler.
  • Wie sieht es mit Behindertensport aus? Auch in diesem Bereich ist eine Förderung möglich, wenn der Athlet zum Beispiel für die Paralympics qualifiziert ist. Eine gezielte Förderung des Behindertensports gibt es nicht.
  • Müssen Sportsoldaten an die Front? Die Ausbildung ist nicht militärisch ausgelegt. Sie werden zumindest als aktiver Sportler nicht zum Dienst im Ausland berufen. Sofern Sie später bei der Bundeswehr bleiben, sind Fronteinsätze eher unwahrscheinlich. Ein Dienst als Feldjäger oder im Stab ist aber nach der Sportlerkarriere auch in Krisengebieten möglich.
  • Wie sieht die Zukunft der Sportförderung aus? Die Bundsregierung betrachtet es als eine wichtige Aufgabe, Spitzensportler zu fördern. Allerdings soll es Änderungen geben. Bei den Olympischen Winterspiele in Vancouver 2010 kamen 57 Prozent der Medaillen von Sportsoldaten. Bei den Olympischen Sommerspiele in London 2012 waren es nur 43 Prozent aller Medaillen. Es soll mehr Haushaltsklarheit geschaffen werden. Der DOSB betrachtet die Sport-Fördergruppen der Bundeswehr im Rahmen dsr “Nationalen Spitzensportkonzepts“ als unverzichtbar.

Der Tagesablauf eines Sportsoldaten unterscheidet sich nur unwesentlich von dem eines normalen Spitzensportlers. Er braucht sich lediglich nicht um ein Einkommen zu kümmern, denn für dieses kommt die Bundeswehr auf.

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