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Affektives Lernen - so nutzen Sie es bei Kindern

Lernen geschieht über viele verschiedene Wahrnehmungskanäle, wie tasten, hören, sehen, fühlen und schmecken, wodurch in der Regel verschiedene Gedanken- und Speichervorgänge im Gehirn angeregt werden. In den 50er/60er Jahren haben Lerntheoretiker, mit behavioristisch Ausrichtung, das Erlernen in kognitives, affektives und psychomotorisches Lernen unterteilt. Heutzutage geht die Pädagogik von einem ganzheitlichen Lernsystem aus, wobei zwischen planmäßigen, inzidentellem (zufällig durch Handlung ohne Lernabsicht) und implizitem (unbewusstspielerisch wiederholte Fertigkeiten) unterschieden wird. Affektives Lernen kann allerdings vom Kleinkindalter an genutzt werden, um Lernprozesse zu unterstützen.

Nutzen Sie bei KIndern den Lernaugenblick.
Nutzen Sie bei KIndern den Lernaugenblick.

Verschaffen Sie sich über "affektives Lernen" Kenntnisse

Damit Sie den affektiven Lernaugenblick bei Kindern richtig nutzen können, sollten Sie sich mit den Lernzusammenhängen auseinandersetzen.

  • Wie bereits erwähnt, erkannten Lerntheoretiker um 1950/60, dass das Lernen mehrdimensional und angesichts der jeweiligen Altersstufen hierarisch verläuft. D. h., dass Sie Lernziele stets nur altersentsprechend erwarten dürfen.
  • Das "kognitive Lernen" umfasst das Aufnehmen von Kenntnissen durch Einsicht und Verstehen. D. h., erst ab einem bestimmten Alter können logisch-basierende Hinweise, wie "ja" und "nein" verstanden werden. Das "psychomotorische Lernen" bezieht sich auf das Lernen durch Nachahmung und Imitation. So erlernte Handlungsarten wirken manipulativ und werden durch Üben und Wiederholen präzisiert.
  • Ein Affekt ist eine Gemütsbewegung, wie z. B. Freude, Trauer, Scham, Neugier usw., die in einem kurzen Augenblick aufwallen kann. Das berühmte Beispiel, mit der Hand auf eine heiße Herdplatte zu fassen, entspricht dem Bereich "affektives Lernen".
  • Auch affektives Lernen ist abhängig vom jeweiligen Alter eines Kindes, denn es muss die jeweilige Gemütserregung zeitgleich verinnerlichen und kognitiv zuordnen können. Affektives Lernen ist sehr intensiv und hat daher einen bedeutenden Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung. 

So läuft affektives Lernen ab

Bereits Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) erklärte, dass Lerninhalte durch "Kopf, Herz und Hand" verinnerlicht werden. D. h., auch Pestalozzi ging von der Gesamtheit kognitiven, affektiven und psychomotorischen Lernens aus. In Schulen wird vorrangig der kognitive Lernbereich gefordert, während in Kindergärten im Rahmen situativer Anlässe durchaus affektive Lernmomente genutzt werden.

  • Affektives Lernen beginnt mit einer Gemütsbewegung, die Aufmerksamkeit erregt, wie z. B. einem Schmetterling beim Fliegen zuzusehen. Diese Situation (situativer Anlass) könnten Sie aufgreifen, um die Aufmerksamkeit des Kindes auf die Themen "Natur", "artgerechtes Leben", "Tiere" usw. zu lenken.
  • Affektives Lernen nutzt die emotionale Bereitschaft des Kindes, zuzuhören und einem bestimmten Thema zu folgen. Diese Aufnahmebereitschaft wird durch die emotionale Gemütslage stabilisiert, sodass die Kinder dem Thema interessiert folgen. D. h. an dieser Stelle wird affektives Lernen durch kognitives Lernen unterstützt und erweitert.
  • Folge des affektiven Lernens ist, dass die Kinder zu reagieren beginnen, gleichgültig, ob die Reaktion bewusst oder unbewusst abläuft. An dieser Stelle können Sie erzieherisch einwirken. Im Beispiel mit dem Schmetterling könnte die kindliche Reaktion sein, ihn einfangen zu wollen, während Sie dem Tier lieber die Tür zur Freiheit öffnen würden.
  • In Verbindung mit Erklärungen, warum z. B. ein Schmetterling seine Freiheit benötigt, beginnt das Kind Werte und Einstellungen zu entwickeln. D. h. die Verbindung zwischen affektivem und kognitivem Lernen führt zum Akzeptieren, Tolerieren, Klassifizieren, Bevorzugen oder Negieren einer Situation, was später über psychomotorisches Lernen verstärkt wird. Das Kind beginnt also, eine eigene Wertestruktur aufzubauen.

So nutzen Sie affektives Lernen

Um affektives Lernen zu nutzen, sollten Sie Ihr Kind in vielen Situationen beobachten. Z. B. laufen auf dem Spielplatz  sehr viele Lernsituationen unbemerkt ab, wenn Kinder untereinander in Streit geraten, wem das Förmchen gehört. Die jeweilige Reaktion der Eltern können zum "Akzeptieren eines Irrtums", "Verurteilung anderer Kinder", "konstruktiver Auseinandersetzung", "wilder Gefühlswallung" u.v.m. führen.

  • Gehen Sie immer fragend an die Sache heran, ohne dem "fremden" Kind zu unterstellen, es wolle "Ihrem" Kind das Förmchen stehlen.
  • Bedenken Sie, dass Ihr Kind bereits aufgebracht ist und wenn Sie diese Gefühlslage verstärken, indem Sie das fremde Kind beschimpfen, lernt Ihr Kind, dass andere nur stehlen und "schlecht" sind (was auf Dauer zu Beziehungsproblemen führen kann).
  • Gehen Sie davon aus, dass das andere Kind einem Irrtum unterliegt, und bemühen Sie sich mit beiden um eine konstruktive Auseinandersetzung zur Klärung der Situation.
  • Schauen Sie, was bzw. welche Situation Ihr Kind gerade beobachtet. Schaut es Zügen immer wieder interessiert zu? Gehen Sie auf dieses Interesse ein, machen Sie Zugfahrten, unterhalten Sie sich mit Ihrem Kind über Berufe, wie "Schaffner" usw. Ihr Kind wird lernen, Interessen aufzugreifen und intensiver zu verfolgen.
  • Bemerken Sie, wovor sich Ihr Kind ängstigt. Vielleicht sind es große Hunde. Gehen Sie mit Ihrem Kind in den Zoo oder ins Tierheim. Sprechen Sie mit ihm über verschiedene Umgangsweisen, die Tiere zu liebevollen Geschöpfen oder zu "Bestien" machen können. Erläutern Sie, wie Ihr Kind mit Tieren respektvoll umgehen sollte.
  • Erkennen Sie, worüber sich Ihr Kind freut. Verstärken Sie die Freude. Vielleicht hat es gelernt, ein Lied zu singen. Loben Sie Ihr Kind und singen Sie mit. Fördern Sie das musikalische Talent und reagieren Sie positiv auf Wünsche, wie z. B. Klavier spielen lernen zu wollen. Nutzen Sie das Interesse, das derzeit vorliegt.
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