Man sagt der beste Freund des Menschen sei der Hund. Viele Leute lieben hingegen Katzen. Doch einigen reicht es nicht, einen treuen Gefährten oder einen Stubentiger an ihrer Seite zu haben. Sie wollen Exotik, Wildheit, ja, vielleicht sogar ein wenig Gefahr. So sind Spinnen, Skorpione oder Schlangen längst keine ungewöhnlichen Haustiere mehr. Etwas Besonderes sind dagegen exotische Säugetiere, vor allem aber Affen. Sie sind dem Menschen sehr ähnlich und erinnern uns mehr an kleine Kinder als an wilde Tiere. Wenn Sie sich nun aber vorstellen, einen Affen als Haustier zu halten sei deshalb leicht und problemlos, dann irren Sie sich gewaltig.
- 10.06.2010 Melina Pfeffer
Was Sie benötigen
Hierbei könnten Sie Hilfe brauchen
- Sie wünschen sich nichts sehnlicher als einen Affen als Haustier? Gut, das kann man verstehen. Sie sind süß und niedlich, intelligent und verspielt – ohne Zweifel. Doch überlegen Sie sich das noch einmal. Affen verändern mit Eintritt in die Geschlechtsreife ihr Verhalten stark. Sie werden aggressiv und unberechenbar, da hilft auch keine Kastration. Wenn Affen beißen – und das tun sie – kann es zu bösen Verletzungen kommen, deshalb müssen Sie besonders bei Besuchern aufpassen. Affen sind keine Kuscheltiere. Sie entscheiden wann und zu wem sie kommen und auch Handaufzuchten ändern ihr natürliches Verhalten nicht.
- Die Pflege eines Affen ist ein 24-Stunden-Job. Und das 365 Tage im Jahr. Affen sind sehr misstrauisch gegenüber Fremden. Ihr Revier markieren Affen mit Kot und Urin. Auch darauf müssen Sie gefasst sein. Die Exkremente werden mit den Händen an geeignete Stellen geschmiert – zum Beispiel auch an ihre Gardinen oder Möbel. Affenhaltung ist ein Putz-Job. Machen Sie sich das bewusst. Eine dauerhafte Erziehung oder Dressur ist nur schwer möglich. Selbst die TV-Affen werden mit Eintritt der Geschlechtsreife ausgewechselt. Sie aber werden Ihren Affen sein Leben lang haben – und das können, je nach Rasse, schon mal 16-40 Jahre sein.
- Die Fütterung eines Affen ist nicht einfach mit Obst abgetan. Sie müssen auf eine spezielle, ausgewogene und vollwertige Ernährung achten. Mit eventueller Gehegeklimatisierung, Futter und Tierarztkosten kommen Sie schnell auf mehrere hundert Euro im Monat. Da Sie an strenge tierärztliche Kontrollen gebunden sind, welche auch eine Meldepflicht über Ihren Bestand beinhalten, ist ein guter Fachtierarzt unumgänglich. Erkundigen Sie sich vorher, wo der nächste Spezialist ist. Zudem benötigen Sie auch für jede Fahrt zum Tierarzt eine Transportgenehmigung.
- Für das Gehege brauchen Sie – Sie werden es schon erraten haben – wieder eine Genehmigung. Sie brauchen viel Platz und eine gute Umzäunung. Erkundigen Sie sich, welches Gehege für Ihre Affen sicher ist. Auch nach Oben brauchen sie ausreichend Möglichkeit zu klettern und Ruheplätze in angemessener Höhe. Im Haus müssen Sie davon ausgehen, dass ein Affe alles öffnen und benutzen kann, wie Sie es können. Eine kindersichere Wohnung reicht nicht aus!
- Für Beschäftigung muss ebenfalls gesorgt sein, denn Affen langweilen sich schnell. In vielen Fällen werden sie auch verhaltensgestört oder depressiv. Das gilt vor allem für Alleinhaltung, denn der soziale Kontakt ist für Affen besonders wichtig. Generell ist nur Gruppenhaltung, mindestens aber Paarhaltung artgerecht und sollte somit Voraussetzung sein. Aber auch dann können Sie die Affen nicht einfach sich selbst überlassen, sondern müssen sie beschäftigen. Unter www.primatenforum.de können Sie sich mit den Anforderungen vertraut machen.
- Wenn Sie nun immer noch einen Affen als Haustier möchten, gilt es zu überlegen, welche Affenart für Sie in Frage kommt. Vielleicht haben Sie bereits eine besondere Vorliebe, dann erkundigen Sie sich zunächst, ob Sie diese Art auch privat halten dürfen. Viele Affen sind besonders geschützt und dürfen nach § 42 Abs. 2 Nr. 1 BNatSchG (Bundesnaturschutzgesetz) nicht als Haustiere gehalten werden. Darunter fallen speziell Menschenaffen, wie Gorillas und Schimpansen, aber auch viele kleine Primatenarten. Eine Sondergenehmigung ist für Privatleute praktisch nicht zu bekommen. Ob Ihr Lieblingsaffe besonders geschützt ist, können Sie unter http://213.221.106.28/ in der Artenschutzdatenbank vom Bundesamt für Naturschutz herausfinden.
- Haben Sie eine Affenart gefunden, die Sie halten dürfen, können Sie aber nicht einfach losgehen und sich einen Affen holen. Sie brauchen dafür auf jeden Fall noch eine Genehmigung für die Haltung. Außerdem müssen Sie einen schriftlichen Berechtigungsnachweis vom Händler erbringen, welcher die rechtmäßige Einfuhr in die EU, bzw. die Geburt des Affen in der EU bestätigt. Und um die Sache abzurunden brauchen Sie schließlich noch einen Sachkundenachweis, der belegt, dass Sie genügend Erfahrung mit Affen haben.
- In den einzelnen Bundesländern, manchmal auch Städten, gelten verschiedene Verordnungen. Letztendlich entscheidet der jeweils zuständige Amtsveterinär. Die Haltungsbedingungen, wie z.B. die Größe des Geheges, sind lediglich an Richtlinien gebunden und werden in jedem Fall einzeln geprüft. Es kann also passieren, dass Sie die Mindestanforderung erfüllen, aber trotzdem keine Genehmigung zur Affenhaltung vom Veterinäramt bekommen.
- Einen Affen als Haustier zu halten ist also nicht nur ein Fulltime-Job, sondern auch mit vielen Amtsgängen, Kontrollen und Papierkram verbunden. Ein Exot ist schön und gut. Aber in erster Linie sollte für Sie die Gesundheit und artgerechte Haltung der Tiere im Vordergrund stehen. Wenn Sie dafür nicht ausreichend sorgen können, ist vielleicht doch ein heimisches Haustier besser für Sie geeignet. Und mal ganz ehrlich: das Schnurren würde doch schon ein bisschen fehlen, oder?