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Abfindung laut Arbeitsrecht - die wichtigsten Regelungen einfach erklärt

Wenn Sie ein Unternehmen verlassen, dann haben Sie in manchen Fällen Anspruch auf eine Abfindung, d. h. Sie erhalten eine Einmalzahlung, mit der Ansprüche an den früheren Arbeitgeber abgegolten werden. Welche wichtigen Regelungen gelten hier gemäß dem Arbeitsrecht?

Wie viel Abfindung gibt es?
Wie viel Abfindung gibt es? © Thomas_Klauer / Pixelio

Wenn ein Arbeitnehmer gekündigt wird, dann hat er zunächst keinen Anspruch auf eine Abfindung. Das Arbeitsrecht sieht hier einige Ausnahmen vor, etwa wenn ein Tarifvertrag Regelungen hierzu beinhaltet. Gleiches gilt auch dann, wenn sehr viele Mitarbeiter gekündigt werden (Massenentlassungen) und für die betreffenden Arbeitnehmer ein Sozialplan eine Entschädigung vorschreibt. In den meisten Fällen aber wird eine Abfindung nicht automatisch bei einer Kündigung gezahlt.

Gibt es Regelungen im Arbeitsrecht zu dieser Einmalzahlung?

  • Eine Abfindung wird oftmals aus dem Grund gezahlt, um eine Klage auf Wiedereinstellung (Kündigungsschutzprozess) zu vermeiden. Hier wird gewissermaßen ein Vergleich geschlossen, sodass der ehemalige Mitarbeiter die Kündigung nicht anfechtet und im Ausgleich dazu eine Einmalzahlung erhält.
  • Dies ist häufig bei betriebsbedingten Kündigungen der Fall, wenn der Arbeitsplatz aufgrund von Belangen des Unternehmens wegfällt (z. B. bei Schließung einer Niederlassung oder Neuordnungen von Geschäftsbereichen). In diesem Fall sieht das Kündigungsschutzgesetz vor, dass ein Arbeitnehmer die Einmalzahlung beanspruchen kann, wenn er keine Klage anstrebt. Ausnahmen gelten jedoch für Kleinunternehmen mit maximal fünf Angestellten.
  • Auch die Höhe der Zahlung ist im Arbeitsrecht nicht klar geregelt, sondern kann zwischen dem ehemaligen Mitarbeiter bzw. dessen Interessenvertretungen (z. B. Betriebsrat) und dem Arbeitgeber ausgehandelt werden.
  • Eine ungefähre Orientierung, die oft herangezogen wird, ist die Regelabfindung. Hier wird die Hälfte des monatlichen Lohnes (brutto) pro Jahr angesetzt. Wenn also jemand 10 Jahre in einer Firma tätig war und 2000 EUR verdient hat, dann werden pro Jahr 1000 EUR veranschlagt, was insgesamt eine Zahlung von 10.000 EUR ergibt. Dies ist jedoch nicht im Arbeitsrecht verankert, es handelt sich nur um eine Vorgehensweise, die üblicherweise verwendet wird.
  • Manchmal werden Arbeitnehmern aber auch schon vor einer Kündigung solche Zahlungen angeboten. Das kann etwa dann der Fall sein, wenn Sie vorzeitig in den Ruhestand gehen und Arbeitgeber daran interessiert ist, Ihre bisherige Stelle zu streichen. Hier haben Sie die Wahl zwischen dem Ruhestand mit einer Abfindung und der Weiterbeschäftigung bis zum regulären Rentenalter.

Die Versteuerung der Abfindung

  • Auch wenn die Summe, die gezahlt wird, manchmal sehr hoch erscheint, so muss bedacht werden, dass diese Zahlung nicht steuerfrei ist. Das Arbeitsrecht sieht hier keine Steuerbefreiung vor und so sind Einkommenssteuern zu entrichten. Dadurch verringert sich die Höhe der Zahlung schnell, dies sollten Sie bei der Wahl zwischen einer Abfindung und etwa einem vorzeitigen Ruhestand bedenken.
  • Die Einmalzahlung wird als außerordentliche Einnahme gewertet. Diese muss nicht im Jahr der Zahlung zu 100 % versteuert werden. Die Fünftelungsregelung sieht daher vor, dass so gerechnet wird, als würden über fünf Jahre hinweg jeweils 20 % der Zahlung versteuert.
  • Dadurch entsteht ein steuerlicher Vorteil. Wenn Sie jedoch auch nach Erhalt der Abfindung wieder in einem anderen Unternehmen beschäftigt sind und dort einen relativ hohen Lohn erhalten, sodass Ihre reguläre Lohnsteuer auch schon vergleichsweise hoch wäre, dann kann die Ersparnis durch die Fünftelungsregelung sehr gering ausfallen. Hier kann es sich lohnen, diese Vorgehensweise nicht zu beantragen.
  • Grundsätzlich gilt, dass Sie sich bei Fragen zur Verhandlung einer Einmalzahlung und bei sonstigen diesbezüglichen Fragen zum Arbeitsrecht an Ihren Betriebsrat, Ihre Gewerkschaft oder Interessenvertretung oder einen Anwalt für Arbeitsrecht wenden können.
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